Michael Fitz im Interview: Des bin I

Michael Fitz

Ob Fernsehen, Kino oder Bühne, Michael Fitz ist überall zuhause. Den gebürtigen Münchener kennt man als Schauspieler, er hat aber auch über ein Dutzend Musik-CDs veröffentlicht, am Donnerstag, 7. Juni, spielt er bei Pütz Roth in Bergisch Gladbach. Wir sprachen mit ihm über Begegnungen mit dem Publikum, Authentizität und den Tatort als Nebenbeschäftigung. 

BB: Bevor wir über Ihren Auftritt sprechen, müssen wir erst noch klären: Sind Sie eigentlich eher Schauspieler oder eher Musiker? Laut Ihres Agenten sind Sie ja „Schauspieler im Zweitberuf“.

Michael Fitz: Im Augenblick stimmt das wohl. Wenn Sie sich den Tourplan anschauen, werden Sie feststellen, dass das weit über 100 Auftritte im Jahr sind. Da wird es ja schon terminlich schwierig, viel Schauspielerisches dazwischen zu packen. Zumal für dieses Jahr schon im letzten Jahr feststand, dass wir eine vierte und fünfte Folge von „Die Toten von Salzburg“ drehen und das war auch schon früh terminiert worden. Damit ist das Jahr im Prinzip dicht.

BB: Dabei war Ihr Vater Schauspieler, Ihr Sohn ist es auch. Eigentlich könnte man meinen, Sie seien eine Schauspieler-Familie. 

Fitz: Die Fitzens sind natürlich eine Schauspielerfamilie. Aber ich habe ja auch eine Kabarettistin in der Verwandtschaft, die Lisa Fitz. Da ist im Prinzip alles da, von Musik über Schauspielerei bis Kabarett. Schuld daran ist eigentlich der Großvater, der Hans Fitz, der seine zahlreichen Talente, die er hatte, auf Söhne, Töchter und Enkel verteilt hat.

BB: Bis 2007 waren Sie Carlo Menzinger im Münchener Tatort, was bei vielen immer noch präsent ist. Nervt Sie das eigentlich oder ist das nicht auch cool, so einen Eindruck hinterlassen zu haben.

Fitz: Das ist total cool. Und das wird ja offensichtlich auch im Sendeverhalten der Rundfunkanstalten so gesehen. Es werden ja wahnsinnig viele Tatorte mit Menzinger wiederholt. Allein im ersten Jahr nach meinem Ausstieg sind 40 Tatorte mit mir wiederholt worden. Und heute sind das immer noch bestimmt zehn im Jahr. Das weckt bei manchen natürlich den Eindruck, der wäre immer noch da.

BB: Zumal es ja nicht selbstverständlich ist, dass man sich an den Assistenten erinnern kann. Denn die Hauptfiguren waren ja eigentlich Batic und Leitmayr.

Fitz: Das sind nicht nur eigent­lich die Hauptfiguren, das sind die Hauptfiguren. Aber ich bin wirklich viel präsenter in den Köpfen, als ich eigentlich sein dürfte. In vielen Tatorten hatte ich ja höchstens drei Drehtage, im Gegensatz zu den Kollegen, die 20 hatten. Für mich war der Tatort immer eine Nebenbeschäftigung, ich musste immer auch andere Sachen machen, um mein Geld zu verdienen. Dafür ist die Präsenz, die diese Figur hat, natürlich immer noch unglaublich groß.

BB: Präsenz ist das Stichwort für Ihren Auftritt. Der wird aus Ihnen und vier Gitarren bestehen. Das ist schon extrem reduziert.

Fitz: Absolut. Das sitzt ein Mensch auf einem Barhocker, zweieinhalb Stunden lang, erzählt ein bisschen was zwischendurch und spielt soundsoviel Titel. Das ist nicht mehr. Es reicht aber. Ich lese ja häufig in den Kritiken, dass die Menschen erstaunt sind, dass so etwas funktioniert.

BB: Und warum funktioniert das bei Ihnen?

Fitz: Es geht natürlich um Präsenz. Und es geht um Authentizität. Das ist mein Ansatz. Da sitze ich. Und ich erzähl von mir und ich singe auch von mir. Das kommt alles aus meinem Leben. Alles erlebt und gefühlt.

BB: Reinhard Mey hat über diese Art der Darbietung mal gesungen: „Du musst wahnsinnig sein, da rauszugehen ganz allein.“

Fitz: Mich hat das irgendwie angesprungen. Ich habe bis 2008 immer mit Musikern gearbeitet. Dann habe ich aber gemerkt, ich muss diesen Schritt machen. Ich muss für meine eigene Entwicklung den Schritt machen und da alleine rausgehen und die Leute zweieinhalb Stunden unterhalten. Das war ein langer Weg, bis ich da hingekommen bin, wo ich jetzt bin. Aber da, wo ich jetzt bin, bin ich ziemlich gut aufgehoben.

BB: Thematisch geht es um Privates. Und zwar um „die Art von Privatem, über die keiner gerne spricht“, heißt es in der Ankündigung. Warum sprechen und singen Sie dann darüber?

Fitz: Weil ich finde, dass es durchaus Sachen sind, die man ansprechen kann und sollte. Dass es viele nicht tun und dass ich es lange Jahre auch nicht getan habe, ist sicherlich so ein Phänomen, das sich durch unsere ganze Welt und unsere Gesellschaft zieht. Aber wenn ich mich nicht zeige, wenn ich nicht auf die Bühne gehen und sage, ich habe die und die Schwächen und die und die Fehler gemacht, wie sollen die anderen dann aufmachen? Das ist ja ein Begegnen. Der Künstler begegnet dem Publikum. Und wenn der Künstler sich nicht zeigt, zeigt sich das Publikum auch nicht. Da habe ich immer wieder ganz, ganz schöne Begegnungen mit den Leuten. Und da spielt auch der Dialekt keine große Rolle.

BB: Aber haben Sie nicht manchmal das Bedürfnis, sich auch zu anderen Themen zu äußern? Es gäbe ja genug.

Fitz: Ich bin da immer sehr vorsichtig. Ich bin ja Singer/Songwriter und kein Kabarettist, der Tagesaktuelles verhackstückelt. Das kann ich ja gar nicht sein. Meine Lieder entstehen, indem etwas aus mir heraus diffundiert, was schon durch das ganze System gesickert ist, was verarbeitet ist, was angeschaut ist, was schon irgendwie reflektiert ist, irgendwann wird ein Gedicht daraus und dann oftmals auch ein Text. Mich interessiert immer die persönliche Sichtweise.

BB: Ist das am Ende der große Unterschied zwischen Schauspielerei und Musik, dass Sie im Film jemand anderen spielen und es bei der Musik nur um Sie geht?

Fitz: Das ist tatsächlich der ganz große Unterschied. Es gibt ja Kabarettisten, die eine Kunstfigur erschaffen. Das ist nicht meins. Ich bin tatsächlich ich selber, wenn ich da oben sitze. Und bin ganz bei mir und ganz authentisch. Auch bei einer Filmproduktion kriege ich vieles vorgegeben, mit dem ich mich auseinandersetzen muss. Ich bin in den zeitlichen Ablauf eingebunden, den sich andere ausgedacht haben. Wenn ich Musik mache, bin ich der Chef. Da redet mir auch keiner rein.

BB: Und dafür bekommen Sie die Reaktion ja bei der Musik auch direkt. Und nicht Monate später, wenn der Film ausgestrahlt wird.

Fitz: Ganz genau. Und das genieße ich auch.

Michael Fitz: Des bin I, Donnerstag, 7. Juni, 19.30 Uhr, Pütz-Roth, Bergisch Gladbach, Kürtener Straße 10

www.puetz-roth.de

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

Hinterlasse einen Kommentar