Kultursommer mit den Prinzen

Die Prinzen spielen am 1. September auf Schloss Strauweiler.

Odenthal Der Altenberger Kultursommer geht neue Wege. Wenn das Musik-Festival im Juni startet, gibt es nicht nur ein neues Erscheinungsbild samt überarbeitetem Logo, sondern auch Veränderungen im Programm – ohne allerdings allzu weit vom Erfolgskonzept der letzten Jahre abzuweichen. Der Schwerpunkt liegt weiter auf hochwertigen Klassikkonzerten. Doch daneben setzen auch Country-Musik und eine szenische Lesung neue Impulse. Und mit der Kult-Band Die Prinzen kommen echte Stars zum Kultursommer.

Schon beim Eröffnungskonzert am Samstag, 16. Juni, im Altenberger Dom wird es einige Premieren geben. Neben vier Gesangssolisten und dem Sinfonieorchester Wuppertal, das zum ersten Mal im Dom spielt, werden der katholische Domchor und die evangelische Domkantorei das Konzert gestalten – und zwar zusammen. „Meines Wissens ist das der erste gemeinsame Auftritt dieser beiden außergewöhnlichen Chöre“, sagt Andreas Braun. Braun, seit Jahrzehnten Inhaber einer Konzert-Agentur in Köln, ist ebenfalls neu beim Kultursommer. Als künstlerischer Leiter verantwortet er der klassischen Teil des Programms.

Seinen Einfluss sieht man an der Auswahl der Stücke beim Eröffnungskonzert. Neben dem Stabat Mater von Gioacchino Rossini wird eine Synphonie von Johann Wilhelm Wilms aufgeführt. Wilms, Ende des 18. Jahrhunderts in Witzhelden geboren, ist vor allem in den Niederlanden bekannt, wohin er 1791 auswanderte. In seiner Heimat wird der „bergische Beethoven“ dagegen selten gespielt. „Deswegen freue ich mich sehr, dass nun ein Stück von ihm in einem Wahrzeichen seiner bergischen Heimat aufgeführt wird“, sagt Andreas Braun, der der Internationalen Johann-Wilhelm-Willms-Gesellschaft angehört.

Ein weiteres Klassikkonzert gibt es mit dem „G.A.P. Ensemble“ am Sonntag, 29. Juni, in der Kirche St. Pankratius in Odenthal. Hier werden Werke von Heinrich Ignaz Franz Bieber, Antonio Vivaldi, Jean-Baptiste Barriére und natürlich Giovanni Antonio Pianni, nach dessen Initialen sich das Ensemble benannt hat, gespielt. Bei der Klassiknacht auf Schloss Strauweiler am Freitag, 31. August, tritt das spanische Saxophon-Quartett „Fukio Ensemble“ mit Stücken unter anderem von Haydn und Dvorak auf. Und beim Abschlusskonzert am Samstag, 22. September, wiederum im Dom, gestalten die Bayer-Philharmoniker und der Kölner Männergesangsverein zusammen mit drei Sängern den Abend mit der „Unvollendeten“ von Schubert und der Missa Dalmatica von Franz Suppé.

Bereits vor dem Eröffnungskonzert spielen die Bayer-Philharmoniker am Samstag, 2. Juni, im Erholungshaus in Leverkusen ein Sonderkonzert zum 120. Geburtstag des ehemaligen Leiter der Philharmoniker Erich Kraack. Zusammen mit dem Pianisten Alexander Krichel werden das 5. Klavierkonzert und die 5. Symphonie von Beethoven aufgeführt – und die Einnahmen fließen dem Altenberger Kultursommer zu.

Highlight jenseits der Klassik wird sicherlich der Auftritt der Prinzen auf Schloss Strauweiler am Samstag, 1. September, sein. Die Kult-Band, bestehend aus vier ehemaligen Mitgliedern des Leipziger Thomanerchors und einem ehemaligen Sänger des Dresdner Kreuzchors, gehörten in den 1990er Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Musikern überhaupt. Hits wie „Küssen verboten“, „Alles nur geklaut“ und „Du musst ein Schwein sein“ verkauften sich millionenfach. 2015 gelang mit dem „Familienalbum“ ein Comeback und im Frühjahr war die Gruppe noch mit dem Gewandhausorchester aus Leipzig auf großer Deutschlandtour. „Eigentlich wollten die in diesem Jahr gar nicht mehr auftreten“, sagt Sema Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg vom Trägerverein des Kultursommers. Doch es sei gelungen, die Prinzen zu einem einzigen weiteren Konzert zu überreden: „Wer die sehen will, muss hierher kommen.“ Vor den Prinzen tritt Comedian Dave Davis in seiner Rolle als Motombo Umbokko auf, außerdem spielt der bekannte Kölner Trompeter Bruce Kapusta.

Das kleine „Festival im Festival“ auf Schloss Strauweiler, zu dem neben dem Prinzen-Konzert auch die Klassiknacht am Vortag gehört, findet seinen Abschluss mit einer Jazzmatinee am Sonntag, 2. September, ab 11.30 Uhr. Ein weiteres „Mini-Festival“ gibt es am 29. und 30. Juni auf Gut AmtmannScherf. Am Freitag spielen dort Musiker aus der Originalbesetzung des Musicals „We will rock you“ Lieder von Queen. Am Samstag gibt es eine bunte Mischung aus Country-Musik mit den „Outlaws of Lubbock“ und Vorführungen im Westernreiten. Außerdem spielt die Bigband des Odenthaler Gymnasiums. „Country ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber wenn er gut ist, reißt er auf jeden Fall mit“, sagt Sema Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg.

Und am Samstag, 14. Juli, gibt es im Altenberger Martin-Luther-Haus eine szenische Lesung mit Mohammad-Ali Behboudi. Der aus dem Iran stammende Regisseur und Schauspieler, den man unter anderem aus dem Tatort und von Danni Lowinski kennt, feiert seit Jahren große Erfolge mit dem Ein-Personen-Theaterstück „Ich werde nicht hassen“ nach dem Buch des palistinänsischen Arztes Izzeldin Abuelaish. Nun kommt er mit einer speziellen Lesung des Textes.

Karten für alle Konzerte und die Lesung des Altenberger Kultursommers gibt es ab sofort im Vorverkauf, online bei KölnTicket oder an sechs Vorverkaufsstellen, darunter der i-Punkt in Altenberg und der Bergische Löwen in Bergisch Gladbach. Weitere Infos und das gesamte Programm sind online abrufbar.

Anika Böllstorf vom i-Punkt Altenberg, Jürgen Gnest, Vorsitender des Trägervereins, Odenthals Bürgermeister Robert Lennerts, Sema Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und der künstlerische Leiter Andreas Braun, v.li., präsentieren das Programm des Altenberger Kultursommers.

Anika Böllstorf vom i-Punkt Altenberg, Jürgen Gnest, Vorsitender des Trägervereins, Odenthals Bürgermeister Robert Lennerts, Sema Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und der künstlerische Leiter Andreas Braun, v.li., präsentieren das Programm des Altenberger Kultursommers.

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.