Frühlingskräuter am Wegesrand

Wer weiß, wie es geht, kann Brennnesseln verarbeiten, ohne sich zu verbrennen. Zum Beispiel zu gesunden Salaten.

Lindlar Eines ist gewiss: Langweilig wird es nicht, wenn man mit Petra Burgmer über Wiesen und durch Wälder wandert. Wir sind vier Teilnehmerinnen eines Seminars, die heute erfahren wollen, welch reich gedeckten Tisch die Natur im Bergischen bereithält. „Mir ist wichtig, dass ihr nicht nur etwas über die Zubereitung, Inhaltsstoffe und Wirkweisen der Pflanzen erfahrt, sondern auch etwas von ihrer Seele wahrnehmt“, sagt die beherzte Landwirtin und Heilpraktikerin. Zusammen mit ihrem Mann Hardy bewirtschaftet sie einen Demeter-Betrieb mit über 60 Milchkühen und anderen Tieren. Die angrenzenden Weiden und Wälder sind heute unser Ziel.

Bevor es richtig losgehen kann, erfahren wir aber noch etwas über die Regeln, die es beim Sammeln zu beachten gilt. Das oberste Gebot lautet: „Sammelt grundsätzlich nur das, was ihr auch wirklich kennt und eindeutig zuordnen könnt“. Das schützt vor unerfreulichen Verwechslungen mit giftigen Verwandten wie Fingerhut, Tollkirsche und Wasserschierling. Und dass wir nur so viel sammeln, wie wir später auch verwerten können, sei sowieso selbstverständlich.

Spannend, lehrreich – und lecker: Die Kräuterwanderung mit Petra Burmer rund um ihren Hof in Lindlar-Breun ist ein tolles Erlebnis.

Spannend, lehrreich – und lecker: Die Kräuterwanderung mit Petra Burgmer rund um ihren Hof in Lindlar-Breun ist ein tolles Erlebnis.

Wir sind noch nicht weit gegangen, da strahlt Petra über das ganze Gesicht und pflückt ein einzelnes, längliches Blatt: „Plantago lanceolata“, sagt sie. „Das bedeutet Spitzwegerich auf schlau. Den kann man bei Erkrankungen der Atemwege wunderbar einsetzen.“ Außerdem ist er eine interessante Zutat in Wildkräutersalaten. Ohne mit der Wimper zu zucken, pflückt die Kräuterfrau ein paar Brennnesseln von der Böschung nebenan. Verdutzt schauen wir sie an. „Wenn ihr die Brennnesseln von unten nach oben abstreift, dann brennt da nix.“ Brennessel-Tee eignet sich gut für eine Frühjahrskur, um zu entgiften hören wir.

Bevor wir die einzelnen Pflanzen pflücken, betrachten wir immer zuerst das Kraut. „Wir können viel von ihrem Wesen erkennen und Rückschlüsse auf die Wirkweise der Kräuter ziehen, wenn wir uns für einen Moment mit unserer Intuition verbinden“, sagt Petra. Achtsamkeit gelte auch für die Ernte. Es empfiehlt sich, nie die ganze Pflanze zu entfernen, sondern immer nur Teile.

Wir sind einige Stunden unterwegs. Der Korb ist gut gefüllt, als wir wieder am Hof ankommen. Bärlauchknospen, Gänseblümchen, Brennnessel, Giersch, Gundelrebe, Löwenzahn, Beinwell und Frauenmantel – jetzt kommt das Grande Finale: die Zubereitung der gesammelten Köstlichkeiten, die regionaler, saisonaler und frischer nicht sein könnten. „Und gratis ist das alles noch obendrein!“, lächelt Petra bedeutungsvoll. Es gibt Wildkräutersuppe,  Kräuterquark, gebackene Beinwellrouladen und als Getränk eine herbe Kräuterlimo. Zum frisch gebackenen Dinkelbrot reicht Petra selbst gemachte Blütenbutter. Superlecker. Und wir haben plötzlich das gute Gefühl, über Superkräfte zu verfügen.

Zum frisch gebackenen Dinkelbrot gibt es selbst gemachte Blütenbutter, die mit ihrer Farbenpracht keine Wünsche offen lässt.

Zum frisch gebackenen Dinkelbrot gibt es selbst gemachte Blütenbutter, die mit ihrer Farbenpracht keine Wünsche offen lässt.

Marina Ketterer ist Mediaberaterin für den Oberbergischen Kreis beim Bergischen Boten. Sie studierte BWL, ist gelernte Wirtschaftsassistentin und Personaldienstleistungskauffrau. Sie schrieb für den Südkurier und arbeitete für den SWR 3 Club in Baden-Baden im Bereich Promotion und Events. Nebenberuflich gibt sie als engagierte Pferdetrainerin Kurse.

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