Wenn der Gasmann zweimal klingelt…

In großen Teilen von Rhein- und Oberberg übernimmt die RNG mit extra beauftragten Firmen die Umrüstung. Die Mitarbeiter werden schriftlich angekümdigt und können sich ausweisen.

Ober- und Rheinberg Erdgas-Kunden im Bergischen bekommen in den nächsten Jahren Besuch vom örtlichen Gas-Netz-Betreiber. Grund ist eine Gas-Umstellung und die notwendige Anpassung der Geräte. Wir klären hier die wichtigsten Fragen:

Warum das Ganze?

Derzeit bekommen wir unser Erdgas noch überwiegend aus den Niederlanden. Weil der Abbau dort aber zu seismischen Aktivitäten, also Erdbeben, führt, drosseln die Holländer ihre Förderung. Zukünftig wird unser Gas aus Norwegen, Großbritannien oder Russland kommen. Und weil das weniger nicht-brennbare Anteile enthält und damit einen höheren Brennwert hat, müssen die Geräte darauf eingestellt werden.

Wer macht die Umstellung?

Die Netzbetreiber hat diese Aufgabe vom Gesetzgeber bekommen. In weiten Teilen von Rhein- und Oberberg ist das die Rheinische NETZGesellschaft (RNG), die unter den Namen „ErdgasUmstellung“ ein auf 15 Jahre angelegtes Projekt ins Leben gerufen hat. In Kürten, Wipperfürth, Wermelskirchen und Hückeswagen übernimmt es die BEW, in Radevormwald die Stadtwerke.

Wie läuft die Umstellung ab?

In einem ersten Besuch werden alle Geräte erfasst, das passiert etwa zwei Jahre vor der eigentlichen Umstellung. Dann werden notwendige Ersatzteile bestellt und der Einsatz der Monteure geplant, rund um den Umstellungstermin gibt es dann einen zweiten Besuch, bei dem die Umrüstung und eventuell auch eine Umprogrammierung der Geräte stattfindet. In den meisten Fällen muss vermutlich nur eine Düse ausgetauscht werden. Sehr moderne Geräte können sich auch selbst auf das neue Gas einstellen. In zehn Prozent der Fällen gibt es noch einen weiteren Besuch zur Qualitätssicherung. Für jeden Besuch wird ein Termin vereinbart, im Schnitt rechnen die Netzbetreiber mit 60 Minuten für den ersten und etwa 75 Minuten Aufwand für den zweiten Besuch. Alle technischen Umrüstungen sollen außerhalb der Heizperioden stattfinden. Kauft man sich zwischen der Erfassung und der Umstellung ein neues Gerät, sollte man dies dann dem Netzbetreiber melden, ein Aufkleber dient dabei als Erinnerung.

Wann geht es los?

Die ersten Umstellungen erfolgen ab 2020 in Bergisch Gladbach, Rösrath, Overath, Engelskirchen, Lindlar und einem kleinen Teil von Odenthal. Die anderen Gebiete sind schrittweise bis 2029 dran, nach derzeitiger Planung bildet Leichlingen hier in der Region den Abschluss. Die Erfassung der Geräte beginnt aber zwei Jahre zuvor, startet also schon Mitte 2018. Die jeweiligen Netzbetreiber kündigen alle Termine frühzeitig per Post an.

Was kostet das alles?

Den Verbraucher in der Regel nichts, zumindest nicht direkt. Die Umrüstung bezahlen die Netzbetreiber, die Kosten werden über die Netzentgelte solidarisch auf alle Erdgaskunden in Deutschland umgelegt. Auch die Gasrechnung wird durch die Umrüstung nicht steigen, abgerechnet wird ja heute schon nach Heizleistung und nicht nach Volumen. Zukünftig wird weniger Gas durch die Leitungen fließen, das hat dafür aber einen höheren Brennwert.

Klappt das für alle Geräte?

Es ist möglich, dass sich einzelnde Geräte nicht mehr umrüsten lassen. Noch wissen die Netzbetreiber ja nicht, wie viele und welche Geräte in den Häusern und Kellern stehen. Erfahrungen aus anderen Gebieten zeigen zum Beispiel, dass über 90 Prozent aller Heizungen von einer Handvoll Herstellern stammten. Diese großen Hersteller haben bereits zugesagt, dass alle notwendigen Ersatzteile zur Verfügung stehen werden. Ist ein Gerät aber besonders alt oder „exotisch“, kann es unter Umständen nicht auf das „neue“ Gas umgestellt werden. Dann muss der Besitzer in ein neues Gerät investieren. Entsprechende Subventionsprogramme sind in Planung. Und auch die Gasversorger werden sich auf diese Fälle einstellen.

Gab es sowas schon einmal?

Gas-Umstellungen sind keine Seltenheit. Der ehemalige Westteil von Berlin wurde 1991 bis 96 von Stadt- auf Erdgas umgestellt, das Ruhrgebiet Jahre zuvor von Kokerei- auf Erdgas. Neu ist allerdings, dass die Umstellung diesmal in einem liberalisierten Gasmarkt passiert, es also eine Vielzahl von Lieferanten im jeweiligen Gebiet gibt und Lieferanten und Netzbetreiber juristisch getrennt wurden. Trotzdem gibt es auch hier Vorbilder: Bremen zum Beispiel hat ein paar Jahre Vorsprung bei der aktuellen Umstellung, von den dort gemachten Erfahrungen profitieren wir nun.

Worauf ist noch zu achten?

Die Netzbetreiber rechnen fest mit illegalen Trittbrettfahrern, zum Beispiel Firmen, die im Vorfeld versuchen, Gas-Kunden neue Heizungen aufzuschwatzen, und rufen daher zur Wachsamkeit auf. Im Zweifel hilft Rücksprache mit der RNG, der BEW oder den Stadtwerken. Da die Netzbetreiber keinerlei wirtschaftliches Interesse an der Umstellung haben, sind sie ein unabhängiger Ansprechpartner. Die Monteure, die zum Hausbesuch kommen, können sich ausweisen, außerdem wird ihr Besuch schriftlich angekündigt. Im Gebiet der RNG soll es sogar ein PIN-Verfahren geben, mit dem sich der Monteur identifizieren kann. Klar ist: Nur wenn die Erdgas-Kunden mitspielen, kann die Umstellung gelingen.

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.