Gastro-Tipp: Japan light und köstlich

Bergisch Gladbach Wie kommt ein Koch, der in einem der angesagtesten japanischen Restaurants im Fürstentum Monaco, unter dem weltbekannten Küchenchef Nobuyuki „Nobu“ Matsuhisa gelernt hat, nach Bergisch Gladbach? Wer es wissen könnte, wäre Robert de Niro, der Besitzer des Restaurants, den ich auf die Schnelle aber nicht erreichen konnte. Letztlich aber auch egal, den Hauptsache Rémi Huillet geht aus „Schäbbish Gläbbisch“ nicht mehr weg.

Der Neu-Gladbacher Küchenchef „schlägt alles, was ich in Köln an japanischen Restaurants kenne, mit Leichtigkeit“, sagt meine Frau. Und sie muss es wissen, lebte sie doch über ein Jahr in Tokio, um dort im Fernsehen Englisch zu unterrichten und die Shushi-Bars der Millionenmetropole zu erkunden.

Bevor wir nun in Gladbach zum Essen kommen, nehmen wir einen Sake, lauwarm, wie er sein soll und wie er seine Wirkung erst nach Verlassen des Restaurants auf der Heimfahrt entfaltet. Der Service ist auf Zack, zu einem trockenen Winterriesling serviert er Tampura, im zarten Teigmantel überbackene Lotusscheiben, Shitake Pilze und Auberginen. Wenige Augenblicke später kredenzt der vor uns auf die Knie gehende charmante junge Kellner, der besser französisch als kölsch spricht, ein Gedicht auf Porzellan: Salmon Avocado Tobiko. Lachs mit einer cremigen, selbstgemachten Mayonaise, die ihresgleichen sucht. Dazu ein Spicy Tuna, scharfer Thunfisch mit ebenfalls selbstgemachtem Wasabi.

Was auffällt, ist die Qualität des Fisches, wirklich frisch, Thunfisch und Lachs zergehen auf der Zunge. Tobiko bestellen wir gleich ein zweites Mal. Und innerhalb von Minuten steht es auf dem Tisch. Warum ich das betone? Weil die jungen Herren vom Service bei der Eröffnung vor wenigen Monaten noch so ihre Schwierigkeiten mit dem Timing hatten. Vergessen und vorbei. Jetzt fluppt es.

In den hinteren Räumen sitzt man neben einem plätschernden Goldfischpool bei gedämpften Licht fast wie in Japan. Auf Holzpodest und Sitzkissen. Aber light, denn für den Mitfünfziger mit „Rücken“  hat man ins Podest Platz für die Beine gesägt. Was das Niederknien der Kellner erklärt. Nur ein Tisch offeriert den klassischen Schneidersitz für Yoga-Fans. Im vorderen Bereich sitzt man bequem am Tisch. Für zwei Personen haben wir mit Trinkgeld einen Hunderter hinterlassen. Eine Investition über die sich unser Gaumen noch Tage später bedankt hat.

Sei Shin, Am Mühlenberg 3, Bergisch Gladbach, Tel. 02202-9262095, www.seishinrestaurant.de

Paul Kalkbrenner ist Herausgeber des Bergischen Boten. Der gelernte Schriftsetzer studierte in Köln Visuelle Kommunikation und arbeitete als Designer, Fotograf und Redakteur unter anderem für Musikexpress, Prinz und die Autozeitung. In den 90er Jahren war er mit T-Shirts wie "Keine Macht den Doofen" erfolgreich. 2008 gründete er den Bergischen Boten. Er entspannt sich bei Gartenarbeit und ist leidenschaftlicher Musikfan. Er wohnt mit seiner Familie in Kürten.