Jagdfieber

Ooooh! Ganz dünnes Eis! Thema: „Jagd“. Es gibt wenige Themen, welche die Menschen in unseren Breitengraden so emotional spalten. Und wie immer tönen die Extremen am lautesten.

Da sind zum Einen diejenigen, die in der Jagd ein Verbrechen sehen. Der böse Mensch geht seinen Gewaltgelüsten nach und tötet arme unschuldige Tiere. Das sind meistens jene Mitmenschen, die „die Natur“ romantisieren und im Gegensatz dazu den Menschen als den eigentlichen Störfaktor einer  vollkommenen, guten und friedlichen Natur betrachten.

Das geht soweit, dass es tatsächlich eine Bewegung gibt, die die Menschheit abschaffen will (kein Scherz). Sie nennen sich „Anti-Natalisten“. Leider gibt es zu dieser bescheuerten Bewegung einen guten Witz: Treffen sich zwei Planeten. Sagt der Eine: „Hör mal, du siehst aber schlecht aus!“ „Ich weiß“, sagt der Andere, „ich hab Homo Sapiens.“ „0ch“, antwortet der eine, „das hatte ich auch mal. Das geht vorbei.“ Guter Witz, aber der Selbsthass auf die eigene Spezies ist bei manchen Menschen doch sehr bedenklich. Wie sagte doch der Philosoph Thomas Hobbes angesichts der Natur-Verklärung seiner Zeitgenossen im 17. Jahrhundert: „Natur ist zunächst einmal nur eines: Kurz, schmerzhaft und grausam.“

Die andere Seite der Einstellung zur Jagd sind jene, die jegliche archaische Lust am Schießen und  Erlegen von Tieren abstreiten. Das ist seit Millionen von Jahren in unserem evolutionären Muster eingewoben und Fakt. Wenn ich dies abstreite und den Jäger allein als Engel im grünen Lodenkleid betrachte, dem es einzig und allein um die Hege der Natur gehe, belüge ich mich meines Erachtens selbst.

Die Wahrheit liegt, so meine ich, wie meistens in der Mitte. Wie aber soll denn dann das angemessene Verhalten zu den Tieren sein? Lassen Sie mich dazu, geneigter Leser, einen Schriftsteller zitieren, den ich, ob seiner Erzählkunst sehr verehre: Hans-Conrad Zander:

„Mohammed, der Prophet saß eines Morgens da, so versunken in die Meditation, dass er nicht merkte, wie seine Katze herzukam und sich auf seine Djellaba legte, auf den weiten Ärmel seines arabischen Mantels. Doch dann klopfte ein Diener. Mit der Nachricht, ein Geschäftsfreund warte draußen, schreckte er den Propheten aus der Meditation. Mohammed wollte aufstehen. In diesem Augenblick sah er die Katze. Auch die Katze öffnete ihre Augen. Aber nur einen Spaltbreit. Dann schloß sie die Augen wieder. Nein, die Katze war nicht bereit, sich durch Mohammeds Geschäfte stören zu lassen in ihrer eigenen Meditation. Der Prophet rief den Diener zurück und bat um eine Schere. Vorsichtig schnitt er den Ärmel seines Mantels rund um die Katze ab. Dann stand er auf und ging zu seinen Geschäften. Die Katze schien es nicht zu merken. Ungestört meditierte sie fort. Es gibt bei uns im Umgang mit Tieren viel sentimentale Anbiederung. Mohammeds Geste ist das Gegenteil: Höflichkeit, ja unbedingter Respekt! Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ihr werdet nicht eingehen ins Himmelreich, wenn ihr nicht lernt, mit Tieren so umzugehen wie Mohammed der Prophet.“

Verehrter Leser, besser könnte ich meine Meinung nicht ausdrücken. Wir sollten Tiere nicht vermenschlichen. Also, ein Jäger ist kein Mörder. Aber: Unbedingter Respekt ist notwendige Tugend einer humanen Welt. Also der Wille, soweit es möglich ist, Tieren Qual und Schmerz zu ersparen. Sei es in der Tierhaltung oder der Jagd.

Weidmannsgruß
Der bergische Jung
Willibert Pauels

Willibert Pauels (Jahrgang 1954) schreibt seit 2009 eine regelmässige Kolumne im Bergischen Boten. Er wurde 1993 zum katholischen Diakon geweiht. Seit 1995 steht er als „Ne bergische Jung“ in der Bütt und ist zu einer festen Größe im Kölner Karneval geworden. Er lebt mit Frau und Tochter in Wipperfürth-Hamböcken.

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