Gastro-Tipp: Wipperfürths neue gute Stube

„Auf eine solches Restaurant in Wipperfürth habe ich gewartet“, sagt Kellner und Weinkenner Saadi, den das Ehepaar Schwammborn der Lüdenscheider Villa Humboldt abspenstig machen konnte.

Wipperfürth Die meterdicke Bruchsteinmauer aus dem Jahre 1875 setzt den gestalterischen Akzent im modernen Ambiente des neueröffneten Restaurant Engelbert‘s. Die historische Grauwacke gibt die Farben des Parketts, der Polsterstühle, der längsgestreiften Vorhänge und Platzdecken vor. Wir setzen uns an die holzgetäfelte Wand gegenüber der Fensterfront, mit Blick auf Rathaus und Marktplatz. Als Prime Location werden nicht nur die zukünftigen Hotelgäste des Hauses am Markt diesen Platz wahrnehmen.

Wir haben kaum Zeit das angenehme indirekte Licht wahrzunehmen als uns Hausherr Christoph Schwammborn und seine rechte Hand, Sommelier und Kellner Saadi, in gekonntem Teamwork mit grünen Oliven und Hückeswagener Kümmel-Holzofenbrot und der überschaubaren Karte überraschen. Diese gibt sich unprätentiös, reicht von Kalbsbäckchen mit Selleriepüree über Spaghetti mit Garnelen bis zum klassischen Wiener Schnitzel.

Wir entscheiden uns für Hühnerbrust in Serrano-Schinken mit mediterranem Gemüse und das vegane Kichererbsencurry mit Babyspinat. Vorweg eine Kürbis-Currysuppe und ein Feldsalat, den ich mir mit Gorgonzola wünsche. Die Vorspeisen kommen zügig, doch statt dem Käse liegen Entenbrustscheiben auf meinem Teller. Meine Frau würde sowas ja zurückgehen lassen, da kennt sie nichts. Doch ich entscheide mich fürs Probieren. Obwohl Ente überhaupt nicht mein Fall ist und ich bin angenehm überrascht, probier noch einmal, nochmal und bin entzückt. Nie hätte ich gedacht, dass mich ein Koch noch einmal mit Ente versöhnen könnte, so dezent ergibt sich der Vogel meinem Gaumen.

Die Hühnerbrust im Schinkenmantel ist ein Gedicht, keine Spur von trocken, das Gemüse mit gewürfelten Zucchini und Auberginen ist zart, die Kartoffel al dente. Am optischen Gesamteindruck kann man arbeiten. Die Kicherbsen im Curry sind perfekt durch, zergehen auf der Zunge, und kommen mit einem leicht fruchtigen Aroma. Leider lernen wir erst beim Dessert die Weinkarte mit Tropfen aus den unterschiedlichsten Regionen kennen. Da müssen wir wohl wiederkommen.

www.hausammarktwipp.de

Paul Kalkbrenner ist Herausgeber des Bergischen Boten. Der gelernte Schriftsetzer studierte in Köln Visuelle Kommunikation und arbeitete als Designer, Fotograf und Redakteur unter anderem für Musikexpress, Prinz und die Autozeitung.
In den 90er Jahren war er mit seiner Merchandising-Firma und T-Shirts wie „Keine Macht den Doofen“ erfolgreich. 2008 gründete er den Bergischen Boten. Er entspannt sich bei Gartenarbeit und ist leidenschaftlicher Musikfan. Er wohnt mit seiner Familie in Kürten.

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