Hilfe für Kinder – und ihre Eltern

Im "Haus für alle" wurde der neue Standort des Projekt Drachenflieger im Südkreis vorgestellt.

Waldbröl Was in Wipperfürth im oberbergischen Norden schon erfolgreich läuft, kommt nun auch in den Südkreis: Das Projekt Drachenflieger, mit dem die Familien psychisch kranker und suchtkranker Eltern unterstützt werden sollen, hat in Waldbröl ein weiteres Zuhause gefunden. Das Projekt bietet Beratungsangebote sowohl für die Kinder als auch für die psychisch- oder suchtkranken Eltern und steht auf zwei Säulen: Neben einer offenen Elternsprechstunde in der Psychiatrie im Kreiskrankenhaus Waldbröl gibt es eine Kindergruppe im „Haus für alle“.

Kinder von psychisch kranken und suchtkranken Eltern haben ein wesentlich höheres  Risiko, selbst psychisch zu erkranken oder durch die psychische Erkrankung ihrer Eltern schwer belastet zu werden. Trotzdem rücken sie erst seit einigen Jahren zunehmend in den Fokus sowohl der kinder- und jugendpsychiatrischen Forschung als auch der Beratungsstellen. Jahrzehntelang seien die Kinder von psychisch kranken und suchtkranken Eltern vernachlässigt worden, berichtete Chefärztin Dr. Maike D. Möller, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Oberberg am Standort Waldbröl. Bundesweit seien etwa drei Millionen Kinder betroffen. Die Krankheit der Eltern habe „massive Auswirkungen“ auf die Kinder, oft gäben sie sich die Schuld.

Die offene Elternsprechstunde soll vor allem als niederschwelliges Beratungsangebot für Patienten und deren Angehörige dienen. Hier kann es um alle die Fragen gehen, die diese Familien betreffen: Scham, Tabuisierung, Umgang mit der Krankheit in der Familie, Auswirkungen auf die Kinder, Klärung von notwendigen Hilfen. In der Kindergruppe Drachenflieger können Kinder von psychisch- oder suchtkranken Eltern im Alter von acht bis elf Jahren in der Gruppe lernen, wie sie besser mit der belastenden Situation fertig werden können. Die Kindergruppe wird geleitet von den Familienberatern Claudia Kunczik und Dirk Rademaker, beide Sozialpädagogen mit therapeutischer Zusatzausbildung. Zusätzlich zur Kindergruppe findet begleitende Elternarbeit statt.

„Die Ziele des Gruppenangebotes sind, den  Kindern zu ermöglichen, in einer Gruppe mit Gleichbetroffenen, Scham und Isolierung zu überwinden und eine gemeinsame Sprache über die Situation zu finden“, sagen die Initiatoren von Klinikum, Kreis-Jugendamt ev. Kirchenkreis. „Die Kinder werden altersgerecht über die Krankheit aufgeklärt und kommen zum Beispiel über Bilderbücher ins Gespräch über die Erkrankung und die Auswirkungen in der Familie.“ Viele Kinder hätten Loyalitätskonflikte, Scham- und Schuldgefühle. Diese sollen abgebaut und stattdessen Notfallstrategien erarbeitet werden. Als Beraterinnen steht eine Sozialpädagogin und  Psychologin zur Verfügung. Die Beratungen sind für die Familien kostenlos und unterliegen der Schweigepflicht.

Seit Ende 2013 gibt es das Projekt Drachenflieger bereits in Wipperfürth. „Kinder sollen freier und leichter dem Alltag begegnen. Dazu passt das Bild des Drachenfliegens“, erklärt Thomas Ruffler, stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises, die Namenswahl. Im kommenden Jahr soll ein weiterer Standort in Gummersbach folgen.

 

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