Ein smartes Häuschen

Frank Buchholz vor seinem Haus in Wipperfürth, von außen eher unscheinbar, drinnen ist das Gebäude vollgestopft mit vernetzter Technik.

WIpperfürth  „Alexa, Sonnenschutz 50 Prozent!“ „OK.“ Langsam senken sich die Rolladen und bleiben auf halber Höhe stehen. Frank Buchholz steht im Wohnzimmer, zwischen Couch und Esstisch, und spricht weiter: „Alexa, Esszimmer 80 Prozent“. „OK.“ Wie durch Zauberhand leuchtet die Hängelampe über dem Esstisch auf. Frank Buchholz´ Hobby ist sein Zuhause, ein von außen unscheinbares Reihenhaus in Wipperfürth, das innen mit Hightech vom Feinsten vollgestopft ist. Und wen der Hausherr soeben herumkommandiert hat, war nicht seine bessere Häfte, die zum Glück Andrea heißt, sondern Amazons digitaler Assistent „Echo“.

Im Heim der Buchholz‘ haben Lampen W-Lan Anschluss, ebenso die Rolladen, die Heizung, der Warmwasserspeicher, der Elektroherd, diverse Steckdosen, die Ladestation fürs Elektroauto, das Internetradio, die Solaranlage, die Rauchmelder und noch so ein paar andere Dinge. „Meine Frau findet das auch toll“, beteuert Buchholz. „Einmal waren wir auf dem Weg zum Flughafen und sie war sich plötzlich unsicher ob sie das Bügeleisen ausgemacht hat.“ Für Buchholz kein Problem. „Ich hab mein iPhone genommen und die Steckdose ausgeschaltet.“ Übers Internet. Ja klar, wie sonst? Etwa zurückfahren und den Urlaubsflieger nach Mallorca verpassen?

Im Wohnzimmer braucht Buchholz noch nicht einmal sein iPhone, da reicht es laut die Kommandos zu geben und schon geht alles wie von selbst. Sogar der Timer des Küchenherds reagiert auf Zuruf, wenn Buchholz „30 Minuten“ zu Alexa hinüber ruft. Ehefrau Andrea sieht´s gelassen und  gönnt ihm sein Hobby. „So weiß ich, dass er keine anderen Laster hat wie Kneipe oder so.“

Die Beleuchtung und andere Funktionen im Haus lassen sich per Stimme oder Smartphone steuern.

Die Beleuchtung und andere Funktionen im Haus lassen sich per Stimme oder Smartphone steuern.

Nur einmal wäre es beinah schief gegangen. Ganz am Anfang seines digitalen Lifestyles hatte er sich bei Vaillant in Remscheid als Pilotprojekt beworben und man stellte ihm ein Blockheizkraftwerk in den Keller. Ein Honda-Erdgasmotor produziert Strom, seine Abwärme heizt das Haus. Ein 250-Liter-Wassertank fungiert als Wärmespeicher, ein 4,4-KW-Akku als Stromspeicher. Natürlich wird die Anlage übers Netz gewartet. Doch eines Tages erhielt Buchholz einen Anruf der renommierten Computerzeitschrift „ct“. „Herr Buchholz? Ich befinde mich gerade im Kontrollzentrum Ihrer Heizungsanlage. Darf ich ein Bildschirmfoto davon machen?“ Buchholz war platt. Er hatte einen Hacker im Haus. Zum Glück einen von der guten Sorte und Vaillant reagierte prompt. Seitdem wird die Heizung über einen gesicherten VPN-Tunnel gewartet und Buchholz protokolliert den gesamten Internetverkehr auf seinem Laptop. Sicherheit first.

Natürlich fährt Buchholz elektrisch. Sein Dienstwagen ist nur einer von vielen Elektroautos des Wipperfürther Energieversorgers BEW, dessen Fuhrparkleiter er ist. „Mein Hobby ist quasi beruflich bedingt“, sagt der Enthusiast. „Ich kann den Leuten keine Elektromobilität und Energiespartechniken verkaufen, wenn ich sie nicht selbst ausprobiert und für gut befunden habe.“ Ende September war er mit einem BEW-Kollegen und seinem Elektro-Hyundai auf der eRuda, der größten eMOBILitäts Rallye Deutschlands. Die 615 Kilometer bis zum bayrischen Ammersee sind für ihn kein Problem. „Ich habe eine App, die mir unterwegs alle Schnell-Ladestationen automatisch auf dem Handy anzeigt.“

Getankt wird in der Garage: Solarstrom vom eigenen Dach.

Getankt wird in der Garage: Solarstrom vom eigenen Dach.

Paul Kalkbrenner ist Herausgeber des Bergischen Boten. Der gelernte Schriftsetzer studierte in Köln Visuelle Kommunikation und arbeitete als Designer, Fotograf und Redakteur unter anderem für Musikexpress, Prinz und die Autozeitung.
In den 90er Jahren war er mit seiner Merchandising-Firma und T-Shirts wie „Keine Macht den Doofen“ erfolgreich. 2008 gründete er den Bergischen Boten. Er entspannt sich bei Gartenarbeit und ist leidenschaftlicher Musikfan. Er wohnt mit seiner Familie in Kürten.

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