Mode made in Oberberg

Oberberg Zwei bis drei Monate, viel länger sind die meisten Kleidungsstücke heute nicht mehr „in“. Alle paar Wochen tauschen die großen Filialisten ihre Kollektionen aus, meist billig in Asien produzierte Teile. Entsprechend kurz ist der durchschnittliche Lebenszyklus.

In Engelskirchen und Wiehl ticken die Uhren da völlig anders. Hier entsteht die Collection Karin Glasmacher. Mode made in Oberberg. Und Mode für Jahre, nicht für Monate oder gar Wochen. „Was wir hier produzieren, daran haben unsere Kunden lange, lange Zeit Freude“, sagt Peter Konrad. „Unsere Mode war schon nachhaltig, als es den Begriff noch gar nicht gab“, sagt Georg Konrad jun.

Beide sind Neffen des Firmengründers. Ihr Vater schuf vor mehr als 25 Jahren die Marke Karin Glasmacher. Bis dahin hatte das Unternehmen mit Sitz im Aggertal für viele andere Marken produziert. Als die Textilproduktion von vielen Mitberwerbern gen Osten verlagert wurde, erfand Konrad sen. nicht nur sein Unternehmen neu, sondern entwarf auch die ersten Kollektionen. Bis heute stammen alle Designs aus dem eigenen Haus. Die Gestricke dafür werden inzwischen in Wiehl-Drabenderhöhe hergestellt, wo rund 50 Strickmaschinen laufen. Am Stammsitz in Engelskirchen werden die Gestricke dann zugeschnitten und zusammengenäht. Rund 100 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen. Heute sind die Pullover, Jacken, Röcke, Blusen und Hosen aus Oberberg in halb Europa erhältlich. Neben den beiden Fabrikverkäufen in Engelskirchen und Wiehl betreibt die Firma eigene Läden, 19 Stück insgesamt von Sylt bis Konstanz. Darüber hinaus wird der Fachhandel beliefert. Häufig Boutiquen mit einem ausgefallenen Sortiment.

Dass die Kunden länger Freude an den Kleidungsstücken haben, dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Zum einen sind die Modelle kollektionsübergreifend. Zum anderen halten die Teile einfach länger. Die Materialien sind so hochwertig wie deren Verarbeitung. Und das bis ins Detail. So werden die Knopfleisten inklusive Knopflöcher bei vielen Jacken zum Beispiel nicht nachträglich angenäht, sondern direkt mitgestrickt. Gleiches gilt zum Teil auch für Taschen.

Die Zielgruppe der Collection Karin Glasmacher und des zweiten Labels „fabelhaft“ („Das etwas mutigere Label“), sind modebwusste Frauen ab etwa 45 Jahre. Die Größen reichen von 38 bis 56. „Wir sind keine Bekleidungsfirma“, sagt Georg Konrad. Schließlich komme bekleiden nur knapp vor bedecken. „Wir wollen anziehen. Und wir sind fest davon überzeugt, das schön aussehen keine Frage der Konfektionsgröße ist, ssondern von gekonnter Schnittführung, Materialauswahl und spezifischer Gradierung abhängt.“

Dabei stehen Funktion und Optik gleichberechtigt nebeneinander. „Wir würden nie ein Design umsetzen, bei dem wir Abstriche bei Qualität oder Komfort machen müssen“, sagt Konrad. So viel Aufwand hat natürlich seinen Preis. Pullover kosten um die 100, Jacken und Mäntel auch schon mal über 200 Euro. „In unseren Geschäften erleben wir oft erste Reaktionen, dass die Kunden sagen, dass sei aber teuer“, berichtet Georg Konrad. Wenn man ihnen dann aber die Produkte genauer erklären, würden sie die Philosophie verstehen. „Wir sind preiswert, weil unsere Kleidungsstücke ihren Preis wert sind.“

Collection Karin Glasmacher, Engelskirchen: Talweg 46, Wiehl: Am Höher Berg 21

Jeden ersten Freitag im Monat kann die „Gläserne Fabrik“ in der Strickerei besichtigt werden, los geht es jeweils um 14 Uhr, Anmeldung online.

www.karinglasmacher.de

Mehr als 50 solcher Strickmaschinen produzieren in Wiehl die Stoffe. Sie können regelmäßig besichtigt werden.

Mehr als 50 solcher Strickmaschinen produzieren in Wiehl die Stoffe. Sie können regelmäßig besichtigt werden.

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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