Gastro-Tipp: Fisch, Fleisch und Nippes

Noch bevor die Teller auf den Tisch kommen, stehen drumherum schon ein paar. Und noch jede Menge anderer Nippes.

Gummersbach Das Holsteiner Fährhaus zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Vielleicht so: Stellen Sie sich vor, ein Bösewicht aus einem Batman-Comic hätte ein paar Museen ausgeraubt. Dann hätte er die Beute in ein Gebäude gebracht und dort ein Restaurant eröffnet. So muss man es sich vorstellen. Tatsächlich ist das Fährhaus, von außen extrem unscheinbar, drinnen randvoll mit Galionsfiguren, Schiffsmodellen, Blechspielzeug, Porzellan, Lampen und sonstigem Nippes. Wer hier zum ersten Mal reinkommt, ist erstmal mit entdecken beschäftigt. Und damit, den Mund wieder zu zu bekommen.

Da besteht natürlich die Gefahr, den Laden ausschließlich darauf zu reduzieren. Doch tatsächlich können Friedhelm Meisen und sein Team nicht nur verrückt, sondern auch lecker. Die Vorspeise, gegrillte Hummerkrabben, lassen zumindest schon mal Gutes erwarten, auch wenn die Knoblauchsauce vielleicht ein wenig süß geraten ist. Drei der Krabben-Kollegen finden sich auch beim Hauptgang wieder, einem bunten Fischteller auf Salat. Alles auf den Punkt, alles lecker.

Dass in einem Lokal, das „Fährhaus“ heißt, Fisch angeboten wird, ist nun wirklich nicht überraschend. Dass aus der gleichen Küche, in die man übrigens beim betreten des Restaurants einen Blick werfen kann, aber auch hervorragende Fleischgerichte kommen, schon eher. Das Hüftsteak ist sensationell. Die dazu gereichte Kräuterbutter ist ebenfalls super. Und zur Folienkartoffel gibt es endlich mal genug Quark. Das Steak hätte aber mehr Würze vertragen können. Und hier steht nur gemahlener Pfeffer. Das will man diesem tollen Fleisch eigentlich nicht antun.

Dass die Dessert-Karte eher überschaubar ist, ist da eigentlich nur konsequent. Es gibt Eis und Crépes – letztere sind echt riesig. Schon bei dem Fischteller hatte uns die Bedienung geraten, lieber die „normale“ statt der „großen“ Variante zu bestellen. Wir waren froh, dem Rat gefolgt zu sein.

Und wir waren froh, dass die Bedienung so ehrlich war. Und so nett. Beide Mitarbeiter, die regelmäßig an unserem Tisch vorbeischauen, sind aufmerksam und gleichzeitig unaufdringlich. Und auch der Chef persönlich kommt zweimal an diesem Abend vorbei, um sich zu erkundigen, ob alles gut sei. Vor 20 Jahren war der Mann mal Seniorenweltmeister im Karate. Man sollte ihm also nicht widersprechen. Muss man aber auch nicht.

Holsteiner Fährhaus, tgl. ab 17 Uhr, Hohensteinstraße 7, Gummersbach

www.holsteinerfährhaus.de

Zum Steak gibt es Folienkartoffel. Und dazu endlich mal genug Quark.

Zum Steak gibt es Folienkartoffel. Und dazu endlich mal genug Quark.

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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