Den Dom mit den Fingern erkunden

Fühlen statt lesen: Mit einem Braille-Führer können Menschen mit Sehbehinderung den Altenberger Dom erkunden.

Odenthal Mit einem neuen Angebot möchte es der Rheinisch-Bergischer Kreis Menschen mit Sehbehinderungen ermöglichen, den Altenberger Dom besser zu erleben. Dazu ist ein Führer in der Blindenschrift Braille erschienen, der in Zusammenarbeit des Rheinisch-Bergischen Kreises mit der Domführungsgesellschaft entstanden ist. „Wir haben uns gefragt, wie wir als Kulturbüro einen Beitrag zu Inklusion leisten können“, sagt Susanne Bonenkamp, Leiterin des Kulturbüros. „Dabei ist die Idee entstanden, den Dom besser für Menschen mit einer Sehbehinderung erlebbar zu machen.“

Katrin Riebel von der Domführungsgesellschaft hatte zuvor die Erfahrung gemacht, dass es blinden Menschen schwer fällt, an den regulären Führungen teilzunehmen. „Die sehbeeinträchtigten Menschen brauchen ihr eigenes Tempo, beispielsweise um Dinge anzufassen. Im Braille-Führer können sie die wesentlichen Fakten dann später nachlesen.“ Gemeinsam mit Susanne Bonenkamp hat sie die Inhalte sowie die Darstellung der Broschüre erarbeitet. „Das war auch für uns ein wichtiger Lernprozess, denn es gab viele Aspekte zu bedenken, die bei anderen Texten gar keine Rolle spielen“, erklärt die Kulturreferentin. Die elf Seiten mit erläuternden Texten wurden dann in Braille-Schrift übersetzt. Herausgekommen ist eine dicke Broschüre, deren Seitenzahl den Ursprungstext um ein Vielfaches übersteigt. Neben den reinen Textinformationen enthält die Broschüre im sogenannten Taktil-Druck auch Informationen zu den verschiedenen Dom-Grundrissen.

„Inklusion ist ein Thema, welches wir ganzheitlich betrachten und das ganz unterschiedliche Lebensbereiche betrifft. Daher freuen wir uns, geschichtlich und kulturell interessierten Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung oder -behinderung dieses besondere Angebot präsentieren zu können“, so Dirk Jäckel, Leiter des Amtes für Inklusion und Integration des Rheinisch-Bergischen Kreises. „Dabei ist es uns wichtig, gelingende Begegnungen zu schaffen, bei denen gemeinsame Erfahrungen zur Normalität werden.“ Finanziert wird die Broschüre durch die Geschäftsstelle Inklusion des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Im Rahmen von Führungen sind die Braille-Erläuterungen kostenlos erhältlich. Wer den Dom damit auf eigene Faust erkunden möchte, erhält das Infomaterial im i-Punkt Altenberg gegen eine Schutzgebühr.