AfD-Parteitag abgesagt

Der im Wiehler Rathaus geplante Lese- und Kulturmarathon wird auch ohne die Parteitag stattfinden.

Wiehl Die AfD hat ihren für das Wochenende geplanten Landesparteitag in Wiehl überraschend abgesagt. Mehrere Medien zitieren die Partei, dass dies wegen „Sicherheitsbedenken“ geschehen sei. Dem WDR sagte Parteichef Martin Renner, dass sich sich linksextreme Demonstranten angekündigt hätten. Davon weiß die Polizei im Oberbergischen derweil nichts. „Uns liegen keine konkreten Hinweise dazu vor“, zitiert der Sender eine Sprecherin. Aus Sicht der Polizei hätte der Parteitag stattfinden können.

In den letzten Tagen hatte sich massiver Widerstand gegen den Parteitag formiert. Neben der SPD und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatten auch die Lehrerinnen und Lehrer des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, in dessen Halle der Parteitag stattfinden sollte, dagegen protestiert: „Es erschüttert uns, dass ausgerechnet in unserer Aula und auf dem Schulgelände des Dietrich-Bonhoeffer Gymnasiums Wiehl solche politischen Gruppierungen tagen“, heißt es in einer Erklärung des Kollegiums. Schließlich stehe gerade der 1945 von den Nazis ermordete Theologe Bonhoeffer für „Mut und Zivilcourage im Kampf gegen Unmenschlichkeit, Ausgrenzung, Antisemitismus und die Zerstörung der Demokratie“.

Im Wiehler Rathaus soll unter dem Motto „siebenundachtzigprozent“ ein Lese- und Kulturmarathon stattfinden, um die „Vielseitigkeit, Offenheit und Toleranz unseres Landes“ aufzuzeigen, wie die Veranstalter sagen. Dazu hatten sich zum Beispiel Kabarettist Fritz Eckenga, der Wipperfürther Bestsellerautor Volker Kutscher und die Leichlinger Kinderbuchautorin Anette Langen, von der unter anderem die Kinderbuchreihe „Briefe von Felix“ stammt, angesagt. Auch ohne den Parteitag soll diese Veranstaltung stattfinden.

Einen Erfolg verbucht die AfD dafür in der Auseinandersetzung mit Wiehls Bürgermeister Ulrich Stöcker. Der hatte auf der Website seiner Stadt in einer persönlichen Erklärung seine Ablehnung der Partei zum Ausdruck gebracht. Weil dies nach Auffassung der AfD nicht mit den Neutralitätspflichten des Bürgermeisters vereinbar sei, erhielten die Stadt und Stücker eine Abmahnung von einem Kölner Anwalt im Auftrag der Partei. In einer Eilentscheidung gab das Verwaltungsgericht Köln nun der AfD recht, so dass die Textpassagen von der Seite der Stadt Wiehl entfernt wurden.

Ob und wann der Landesparteitag, auf dem unter anderem der Nachfolger des bisherigen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell, der die Partei aus Protest verlassen hat, gewählt werden sollte, nachgeholt wird, ist derzeit noch unklar.

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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