60.000 Seemeilen Geschichten und Musik

Hans Martin Stier (sitzend) und seine Truppe: Stefan Kaspring (Keyboards), Thom Brill (Gitarre) und Thomas Lensing (Percussion).

Wermelskirchen Er war Seemann, erfolgreicher Musiker und ein noch erfolgreicherer Schauspieler. Hans-Martin Stier war gerade mit „Kundschafter des Friedens“ im Kino, man kennt ihn aus Wim Wenders „Der Himmel über Berlin“, diversen TV-Auftritten von Cobra 11 über Tatort bis Hausmeister Krause und „Goldene Zeiten“ von Peter Thorwardt. Mit seiner Band „Törner Stier Crew“ spielte er im WDR-Rockpalast und mit Frank Zappa und Simple Minds 1982 beim dritten Schüttdorf Open Air. Jetzt kommt ein Programm, in dem all das zusammenfließt. „60.000 Seemeilen Geschichten und Musik“ ist eine dichte Mischung aus Lesung und Konzert. Hans-Martin Stier hat Texte über seine Zeit auf See geschrieben, trägt diese mit seiner markanten Stimme vor und kombiniert dies mit Liedern aus den 1960er- und 70er-Jahren. Begleitet und unterstützt wird er dabei von den Musikern Thom Brill, Stefan Kaspring und Thomas Lensing. Zusammen bilden sie die „Stier Shipping Company“.

Mit 17 Jahren begann Stier, zur See zu fahren. Seine Familie stammt aus Wuppertal, er selber wurde in Bad Ems in Rheinland-Pfalz geboren. Doch die Enge der Kleinstadt, der eigene Freiheitsdrang und die Erzählungen eines Verwandten, der im Krieg bei der Marine war, trieben ihn 1967 zur Handelsmarine. Selbst ein einmonatiges Praktikum auf einem Bananendampfer konnte ihn nicht schrecken. „Danach hatte ich eigentlich die Schnauze ziemlich voll“, erinnert sich Hans-Martin Stier. „Aber ich wollte unbedingt weg.“ Sechs Jahre fuhr er zur See, diente sich hoch bis zum Steuermann und begann schließlich sogar die Ausbildung zum Kapitän.

Trotz aller Widrigkeiten denkt der heute 66-Jährige gerne an die Zeit zurück. „Das war noch viel näher dran an echter Seefahrt“, sagt Stier. Kein Vergleich zu den heutigen Container-Riesen. Die Liegezeiten in den Häfen waren länger, man hatte die Chance, Land und Leute kennen zu lernen. „Wir haben das Essen geschmeckt und die Ladung gerochen.“ Immer mal wieder habe er Kollegen und Freunden von seinen Erlebnissen erzählt, sagt Hans-Martin Stier, der seit 1995 in Bergisch Gladbach lebt. „Und dann haben die immer gesagt, ich soll das aufschreiben.“ Vor gut einem Jahr fing er schließlich damit an. Jede Story, versichert er, habe er selbst erlebt. Nicht alle sind lustig, vieles ist dramatisch und spiegelt die Gefahr auf hoher See wieder. „Der Job war auch mal ganz schön kacke“, sagt Stier – und erinnert sich daran, wie sein Kapitän bei Nacht eine Ansammlung kleiner Fischerboote „übersah“ und mit dem rund 180 Meter langen Frachtschiff einfach durch sie hindurch fuhr. Oder dass sie einmal fast aufs Kapp der guten Hoffnung aufgelaufen wären, weil so ziemlich alle auf der Brücke nicht mehr ganz nüchtern waren.

Gut zwei Stunden dauern die „60.000 Seemeilen“, sie leben von der Musik und von den Texten, von Hans-Martin Stiers Stimme und vor allem von der Kombination aus alle dem. Eine teilweise ungewöhnliche Kombination, die aber durchaus spannend ist.

Mi 8. November, 20 Uhr, Kattwinkelsche Fabrik, Wermelskirchen

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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