Neues Theater: Bürger sollen entscheiden

Ob Gummersbach ein neues Stadttheater bekommen wird, ist noch nicht entschieden. Bis dahin soll die Halle 32 ein Teil des kulturellen Programms übernehmen.

Gummersbach Die Mehrheit der Gummersbacher wünscht sich ein neues Stadttheater. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage. Weil sich die Stadt das aber derzeit nicht leisten kann, möchte Bürgermeister Frank Helmenstein ein Grundstück auf dem Steinmüllergelände reservieren – und später die Bürger abstimmen lassen.

Die Ausgangslage ist im Prinzip einfach: Das Theater der Stadt Gummersbach ist ein Sanierungsfall. Mehr als acht Millionen Euro würde es kosten, Technik und Gebäude wieder in einen Zustand zu versetzen, der einen dauerhaften Spielbetrieb ermöglichen würde. Deswegen wird das Theater am Ende der gerade begonnenen Spielzeit im kommenden Jahr geschlossen. Für ein mögliches neues Theater hätte die Stadt ein passendes Grundstück auf dem Steinmüllergelände, direkt neben dem geplanten Kino. Nur das Geld fehlt.

Auf 29 Millionen Euro beziffert eine Studie die Baukosten für ein neues Stadttheater. Und diese Summe wäre, im Gegensatz zu den meisten anderen Städtebaumaßnahmen der jüngeren Vergangenheit, nicht förderfähig. Das heißt, die Stadt müsste alles alleine bezahlen. Das kann sie nicht nur nicht, das dürfte sie auch gar nicht. Denn bis 2021 ist Gummersbach Teil des Stärkungspakt Stadtfinanzen des Landes NRW. So lange darf die Stadt nicht mehr als rund sieben Millionen Euro pro Jahr investieren.

Der Neubau wäre also frühestens 2022 möglich, wenn sich die städtischen Finanzen bis dahin verbessern, was aber auch noch nicht absehbar ist. Das ins Auge gefasste Grundstück, das Bürgermeister Helmenstein schlicht als „Filet-Stück“ bezeichnet, ließe sich derweil auch für andere Projekte nutzen oder profitabel vermarkten. Wenn es einmal weg ist, ist die Idee des neuen Stadttheaters aber automatisch tot.

Um eine Grundlage für eine Entscheidung in diesem Fall zu bekommen, hat die Stadt Gummersbach eine Umfrage in Auftrag gegeben. Eine Forschungsgruppe des Gummersbacher Campus der TH Köln befragte 400 Bürger – und das Ergebnis ist eine „überraschend hohe Zustimmung“, wie Professor Monika Engelen von der TH bei der Präsentation der Ergebnisse sagte. 70 Prozent der Befragten halten kulturelle Veranstaltungen und auch ein Stadttheater für wichtig, 62 Prozent stimmen sogar explizit dem vorgestellten Konzept inklusive der Baukosten zu. Nur 25 Prozent lehnen den Plan ab, die meisten wegen der hohen Kosten.

„Ohne diese Umfrage hätte ich das Thema zu den Akten gelegt“, sagt Bürgermeister Helmenstein. So allerdings möchte die Verwaltung sich zumindest die Möglichkeit offen halten, nach 2021 ein solches Theater zu bauen. Deswegen schlägt der Bürgermeister vor, das betreffende Grundstück für mindestens fünf Jahre zu reservieren. Später sollen dann die Gummersbacher im Rahmen eines Ratsbürgerentscheids direkt über die Baupläne abstimmen. „Das beinhaltet keinen Automatismus“, betont Helmenstein. Denn ob die Stadt in ein paar Jahren wirklich in der Lage sei, den Neubau und die jährlichen Betriebskosten von rund 1,9 Millionen Euro zu stemmen, sei noch völlig unklar. „Aber so verbauen wir uns nichts. Und das im wahrsten Sinn des Wortes.“

Jetzt schon über einen Bau zu entscheiden, lehnt Helmestein ab: „Nach meinem Demokratieverständnis sind wir bis 2020 gewählt.“ Würde man jetzt einen Bau des Theaters beschließen, könnte dies die Investitionsmöglichkeiten von Rat und Verwaltung in Zukunft massiv einschränken. Und sollte es am Ende nicht zum Neubau kommen, ließe sich das Grundstück auch dann noch problemlos vermarkten.

Helmensteins Vorschlag muss nun durch den Stadtrat, in dem die CDU, der auch der Bürgermeister angehört, die meisten Sitze hat. Für die SPD, zweitstärkste Fraktion im Rat, hatte Fraktionsvorsitzender Thorsten Konzelmann schon direkt im Anschluss an die Vorstellung der Studie Zustimmung signalisiert. Voraussichtlich im November wird abgestimmt. Nach der Schließung des derzeitigen Theaters soll ein Teil des kulturellen Angebots in die Halle 32 auf dem Steinmüllergelände „umziehen“, dazu hat der Stadtrat bereits beschlossen, die Technik der Halle aufzurüsten. Für das mögliche Stadttheater-Grundstück sei derweil eine temporäre Nutzung möglich, so Helmenstein. Zum Beispiel für Weihnachtsmärkte.

Professor Monika Engelen von der TH Köln präsentierte den Mitgliedern des Stadtrates, des Kulturausschusses und dem Verwaltungsvorstand der Ergebnisse der Umfrage.

Professor Monika Engelen von der TH Köln präsentierte den Mitgliedern des Stadtrates, des Kulturausschusses und dem Verwaltungsvorstand der Ergebnisse der Umfrage. (Foto: Sven Schlickowey)

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.