Married… with Humor

Wermelskirchen Sie machen Kleinkunst, sie spielen kurz hintereinander in der Katt in Wermelskirchen – und sie sind miteinander verheiratet. Wir sprachen mit Fee Badenius und René Sydow über das Eheleben professioneller Spaßmacher, kaputte Tourbusse und die Dummheit der Menscheit.

BB: Bevor wir über eure Auftritte in Wermelskirchen reden, erst eine andere Frage: Ihr seid verheiratet, ihr verdient beide euer Geld mit Humor – wir muss man sich euer Eheleben vorstellen?

René Sydow (lacht): Ganz humorlos.

Fee Badenius: Bitte?

René Sydow: Nee, ich glaube, wir gehen auch als Paar ganz humorvoll miteinander um.

Fee Badenius: Wir waren ja auch schon zusammen, bevor wir beide in dieser Branche angefangen haben. Man könnte also sagen, wir haben aneinander geübt.

BB: Schlägt das sonst irgendwie ins Privatleben durch? Redet ihr beim Frühstück über Auftrittsorte?

René Sydow: Meistens spielen wir ja an unterschiedlichen Orten, ich eher in den klassischen Kabarett-Häusern und Fee in den Musik-Läden. Wenn aber mal der eine an einem Ort war, wo der andere noch hingeht, dann tauschen wir uns aus.

Fee Badenius: Wenn es irgendwo besonders schön war, weisen wir den anderen schon darauf hin.

BB: Und wenn euch mal was Lustiges passiert, reserviert sich dann einer das für sein Programm und verbietet es dem anderen?

Fee Badenius: Nee, eigentlich nicht. René verwendet ja sehr wenig aus dem Alltag und macht sich eher übergeordnete Gedanken. Und wenn ich was auf der Bühne erzähle, mache ich das meist spontan.

René Sydow: Wenn überhaupt gibt es mal einzelne Wortspiele oder etwas in der Art. Und dann kommt es doch schon mal vor, dass man sagt: Komm, nimm du den!

BB: In der Katt spielt ihr mit knapp einem Monat Abstand. Wie groß ist eigentlich die Chance, dass ihr da das gleiche Publikum habt? Denn ihr macht zwar beide Kleinkunst aber schon sehr unterschiedlich.

René Sydow: Ich würde sogar behaupten, wir haben völlig unterschiedliches Publikum. Zu mir kommt das klassische Kabarett-Publikum, eher älter, je nach Stadt rutschen mal ein paar Studenten durch. Und bei Fee …

Fee Badenius: Bei mir kommt sehr gemischtes Publikum, je nach Location kommen auch Familien mit Kindern. Oder auch mit der Oma. Sehr altersgemischt. Und sehr erwartungsfrei. Die meisten kennen ja nur meine Solo-Sachen, mit denen ich in irgendwelchen Comedy-Shows aufgetreten bin. Wenn ich aber den ganzen Abend spiele, habe ich ja meine Band dabei. Und dann ist auch nicht alles nur lustig.

René Sydow: In der Katt ist es jetzt mal der außergewöhnliche Fall, dass wir beide in einem Abo mit insgesamt fünf Veranstaltungen sind, deswegen könnte da jetzt mal ein Teil des Publikums gleich sein. Aber sonst ziehen wir schon sehr unterschiedliche Leute an.

BB: Sind eure unterschiedlichen Stile eigentlich ein Thema? Ist er dir zu ernst? Oder ist sie dir zu banal?

Fee Badenius: Eigentlich nicht. Wir sprechen über andere Sachen, zum Beispiel über regionale Unterschiede beim Publikum, das könnte man aber auch mit jedem anderen Kollegen aus der Kleinkunst machen. Aber wie wir unsere Programme gegenseitig finden, da sprechen wir eigentlich nicht drüber (lacht), zugunsten der Ehe.

BB: Wollt ihr gerade mal? Soll ich euch kurz allein lassen?

Fee Badenius: Natürlich hat jeder schon mal das Programm des anderen gesehen. Und wenn ich was doof finden würde, würde ich das auch sagen. Und René sicher genauso.

René Sydow: Wenn wir das Programm des anderen gesehen haben, sprechen wir natürlich darüber. Wir sind ja auch beide Fans und finden gut, was der andere tut.

BB: Bei René ist die Sache ja einfach, das ist klassisches Kabarett. Fees Programm ist hingegen  spezieller, da gibt es relativ wenig, womit man das vergleichen kann.

Fee Badenius: Ich sage ja immer, dass ich Liedermacherin bin. Eine meiner Stärken ist sicherlich, dass ich die Absurdität des Alltags ganz gut beobachten und formulieren kann. Und das finden dann viele Menschen lustig. Beim letzten Konzert in Frankfurt sind wir zweimal mit unserem Tourbus liegen geblieben. Und dann ist noch der ADAC-Wagen liegen geblieben, als unser Bus da drauf stand. So was kann ich dann erzählen, einfach weil das Leben so ist.

BB: Und dabei schaffst du es irgendwie, lustig zu sein ohne böse zu werden. Oder täuscht das?

Fee Badenius: Ich glaube, das täuscht. Ich glaube, dass das einen Teil meines Humors ausmacht, dass die meisten denken, ich sei eigentlich ganz lieb, so wie ich rede oder meinetwegen auch vom Äußeren her. Und dann bin ich gar nicht lieb, wenn man genau hinhört.

René Sydow (lacht): Ja, ich bin nämlich eigentlich viel netter…

BB: Dabei müsstest du als politischer Kabarettist doch eigentlich an der Dummheit der Welt und der Menschheit verzweifeln.

René Sydow: Ja, eigentlich schon. Noch habe ich aber irgendwie die Hoffnung, dass sich dieser Funke Humanismus und Aufklärung doch durchsetzen kann. Ich weiß, dass viele Kollegen, speziell im Alter, aufgeben. Aber ich bin noch jung genug, um daran zu glauben, dass da noch etwas zu bewegen ist.

BB: Danach sieht es im Moment aber nicht aus.

Fee Badenius: Das Problem ist ja, dass die Leute, die ins Kabarett gehen, nicht die sind, die man eigentlich ansprechen müsste. Die sind ja weltoffen, kulturell interessiert, bereit, sich auch mal Kritik anzuhören.

René Sydow: Meisten spielt man vor Publikum, das die gleiche Meinung wie der Künstler hat. Dass das Publikum protestiert, ist selten.

BB: Dann besteht aber auch die Gefahr, dass Kabarett zum modernen Ablasshandel wird.

René Sydow: Das finde ich schade, wenn es so ist. Ich würde eher sagen, es ist trotz allem Unterhaltung. Das ist manchmal anstrengend, manchmal auch sehr lustig oder albern. Es sollte aber niemals Ablasshandel oder Predigt sein. Ich bringe eher meine eigene Verzweiflung auf die Bühne und hoffe, die Zuschauer können mir da folgen. Oder auch widersprechen. III

Fee Badenius: Feederleicht, Fr 16. September, 20 Uhr,
René Sydow: Warnung vor dem Munde, Fr 13. Oktober, 20 Uhr,

Kattwinkelsche Fabrik, Wermelskirchen

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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