Angela Merkel: Brombeereis und Baukindergeld

Angela Merkel und Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke beim Wahlkampfauftritt in Bergisch Gladbach.

Bergisch Gladbach Nach der Eröffnung der Kölner Gamescom gönnte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel erst einmal ein Eis. „Brombeereis, Waldbeeren und Kirsch sind meine Lieblingssorten“, gestand sie bei strahlendem Sonnenschein vor über zweitausend Zuschauern auf dem Konrad-Adenauer-Platz. Sichtlich entspannt hatte sie sich zu Beginn ihres Wahlkampfauftrittes händeschüttelnd einen Weg quer durch die Zuschauer zur Bühne gebahnt.

Gleich zu Beginn ihrer Rede spielte sie den Ball an die kommunale Kompentenz von Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke, der als Kandidat der CDU, die Nachfolge von Wolfgang Bosbach antreten will. „Wenn Sie in Berlin sind müssen Sie mir erklären warum die kommunalen Finanzen in den Bundesländern so unterschiedlich geregelt sind und was von den Geldern der Bundesregierung wirklich bei den Kommunen ankommt.“ Tebroke hatte vor seiner politischen Karriere als Bürgermeister von Lindlar und Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises eine Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwirtschaft  an der Universität Bayreuth inne.

Angela Merkel bahnt sich einen Weg durch die Zuschauer auf dem Konrad-Adenauer-Platz.

Angela Merkel bahnt sich einen Weg durch die Zuschauer auf dem Konrad-Adenauer-Platz.

Der abwesende Wolfgang Bosbach war in aller Munde. Dankesworte an den schlagfertigen und in der bergischen Heimat beliebten Talkshowdauergast kamen nicht nur von Angela Merkel.  Ministerpräsident Armin Laschet erinnerte daran, dass „WoBo“ der Landesregierung auch nach seinem Rückzug aus der Politik, Unterstützung zugesagt habe. Grosszügig sah das Publikum mit einem kurzen Lacher darüber hinweg, als sich der Landesvater verhaspelte und kurzzeitig in Mönchengladbach wähnte.

Die Kanzlerin glänzte mit einer konzentrierten freien Rede. Zwar trug Sie eine Kladde mit Redemanuskript zum Pult, schaute aber nur einmal kurz hinein. Sie wirkte authentisch, man nahm ihr ab was sie sagte. Sie strahlte bei aller Bestimmtheit eine verhaltene weibliche Wärme aus und scheute sich nicht das Wort Liebe in den Mund zu nehmen, als Sie über Familienpolitik sprach. Das sei es schließlich, was Familien zusammenhalte. Zur Unterstützung junger Familien kündigte Sie ein Baukindergeld von 1200,- Euro über die Dauer von 10 Jahren an, wenn die CDU an der Regierung bleibe

Über Tausend Zuschauer wollten die Bundeskanzlerin sehen.

Über Tausend Zuschauer wollten die Bundeskanzlerin sehen.

Sie beschwor die Einheit in der Vielfalt. Die unterschiedlichen Traditionen der Regionen, die kulturellen Eigenheiten, die Handwerksmeister und die Startups, die Unternehmer  und die Arbeitnehmer sie alle seien eine der Säulen auf denen der Erfolg Deutschlands ruhe. Die Politik könne  nur die Leitplanken der gesellschaftlichen Entwicklung vorgeben. Es sei nicht ihre Aufgabe dem Bürger Vorschriften zu machen, sondern ihm Möglichkeiten zu schaffen.

Sicher, es war eine klassische Wahlkampfrede. Mit Seitenhieben auf die die Autoindustrie „800.000 Arbeitnehmer dürfen nicht für die Fehler der Wirtschaft bezahlen“. Mit Bezugnahme auf Schäubles schwarze Null „Wir haben in den letzten vier Jahren keine neuen Schulden aufgenommen und wollen das auch in den nächsten vier Jahren nicht machen.“, erklärte sie diese Finanzpolitik zum „Generationenvertrag.“  Sie erwies „den 25 Millionen Ehrenamtlern, die sich für andere Menschen einsetzen…“ die Ehre und nannte sie eine weitere Säule auf denen Deutschland ruhe. Das Erstaunliche, so besonnen wie Merkel das sagte verspürte man eine gewisse Aufrichtigkeit.

Eher blass wirkte dagegen Landratskandidat Stephan Santelmann, den die Bergisch Gladbacher CDU aus der Kölner Verwaltung akquiriert hat. Seine kurzen Statements zu ähnlichen Themen kamen ungleich schärfer und technokratischer daher.  Das klang wieder ganz nach Wahlkampf, humorbefreit und austauschbar.

Angela Merkel

Angela Merkel hat die Sonne auf ihrer Seite.

Der Kanzlerin hinterher reisende AfD-Sympthatisanten produzerten ein pfeifendes Hintergrundrauschen.

Der Kanzlerin hinterher reisende AfD-Sympathisanten produzierten ein pfeifendes Hintergrundrauschen.

CDU Fan-Club

CDU Fan-Club

_MG_0098 Angela Merkel Bergisch Gladbach

Sympathie und Applaus für die Bundeskanzlerin

Lokale Politprominenz mit Familie in der ersten Reihe.

Lokale Politprominenz mit Familie in der ersten Reihe.

Die Kanzlerin hat Fans in allen Bevölkerungsgruppen.

Die Kanzlerin hat Fans in allen Bevölkerungsgruppen.

"Vor 18 Jahren haben wir hier auf der Kirmes zusammen ein Bier getrunken", Burkhard Unrau, Vater der Bergisch Gladbacher Kirmes schenkt er Kanzlerin Fotos von damals.

„Vor 18 Jahren haben wir hier auf der Kirmes zusammen ein Bier getrunken“, erinnert Burkhard Unrau, Vater der Bergisch Gladbacher Kirmes die Kanzlerin und schenkt ihr zwei „historische“ Zeitungsartikel mit Fotos auf denen die Kanzlerin auf dem Kettenkarussel sitzt.

Zum Abschied überreicht Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke der Kanzlerin den Rheinisch-Bergischen Kalender.

Zum Abschied überreicht Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke der Kanzlerin den Rheinisch-Bergischen Kalender.

Zum Abschied erklingt das Deutschlandlied.

Zum Abschluss singt man auf der Bühne das Deutschlandlied.

Bye. bye Angie. Man fährt Audi.

Bye. bye Angie. Kanzlerin und Security fahren Audi.

Paul Kalkbrenner ist Herausgeber des Bergischen Boten. Der gelernte Schriftsetzer studierte in Köln Visuelle Kommunikation und arbeitete als Designer, Fotograf und Redakteur unter anderem für Musikexpress, Prinz und die Autozeitung.
In den 90er Jahren war er mit seiner Merchandising-Firma und T-Shirts wie „Keine Macht den Doofen“ erfolgreich. 2008 gründete er den Bergischen Boten. Er entspannt sich bei Gartenarbeit und ist leidenschaftlicher Musikfan. Er wohnt mit seiner Familie in Kürten.

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