Am Anfang war das Campen

Es gibt Sprüche -„da künnt ich mich fottschmiesse“. Auf Hochdeutsch: Da könnte ich mich wegwerfen vor Lachen. Zum Beispiel: „Camping ist jener Zustand, wo der Mensch seine eigene Verwahrlosung als Erholung empfindet“. In der Tat. Es gibt bequemere Arten des Urlaubs.

Unübertroffen die Beschreibung in dem alten Karnevalslied: „Do laachse dich kapott dat nennt mer Camping, do laachse dich kapott  dat nennt mer schön – wenn im Zelt de Mücke un de Hummele sich verjücke un du küsste nit erus im Rään – un et räänte wie Bies in der Zupp un in der Kies un de Wespe han sich im Kompott jezänk..!“

Und doch ist diese Art von Urlaub beliebt wie eh und je. Mein Kollege Bernd Stelter ist eingeschworener Camper und kommt aus dem Schwärmen über diese Art der Freizeitgestaltung nicht mehr raus. Wie kommt das eigentlich? Nun ich glaube, es lohnt sich immer anzuschauen, dass viele unserer Verhaltensweisen seit Millionen von Jahren in unser evolutionäres Muster eingewoben sind.

Betrachten wir doch mal die Urzeit der menschlichen Sippen und Stämme. Was war die größte Gefahr überhaupt? Klar. Die dunkle Nacht, denn da sprang der Säbelzahntiger und seine diversen Raubtierkollegen aus der Finsternis und riss sein wehrloses Opfer. Nichts war größer im Bestreben des Urmenschen als sich vor dieser Gefahr aus der Dunkelheit zu schützen. Und was gab diesen Schutz?

Eine Höhle – klein, überschaubar, gut zu verteidigen, mit winzigem Zugang. Und dann – ein Quantensprung in der Evolution – die Beherrschung des Feuers. Nun konnte man draußen sitzen, im Schein des wärmenden Lagerfeuers. Geschichten erzählen, Bier trinken und grillen. Denn der Säbelzahntiger und seine Raubtierkollegen hatten Angst vor dem Feuer!

Nichts anderes ist das Campen. In der primitiven Art nennt man es übrigens „Dschungelcamp“. Und weil diese uralte Erfahrung auch heute noch tief in uns steckt, tun wir es so gerne. Wie sagt Harald Schmidt: „Der Deutsche hat eigentlich nur zwei Leidenschaften. Mülltrennen und draußen sitzen.“

Und so ist eigentlich immer der Ur-Mensch unterwegs, wenn die Leute sich Höhlen hinters Auto hängen, klein, überschaubar, gut zu verteidigen und mit winzigen Zugängen. Und wenn es Abend wird setzt sich der Camper vor seine fahrbare Höhle um ein Feuer, erzählt Geschichten, trinkt Bier und grillt!

Fehlt nur noch ein Witz zum Thema. Zwei Engländer sind auf Reisen mit ihrem Zelt. Nachts wachen sie auf und schauen in den Sternen übersäten Himmel. „Was denkst Du, wenn Du den Nachthimmel siehst?“, fragt der eine Engländer. „Ach, ich denke an die Weite des Universums, und wie klein doch wir Menschen eigentlich sind. Ja, ich möchte fast sagen, ich denke an Immanuel Kant, den großen Philosophen, der gesagt hat „es gibt zwei Dinge, die mich zutiefst berühren: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“. Und was denkst Du?“ „Ich denke“, antwortet der andere, „wir sind aufgewacht und können den Himmel sehen. Man hat uns das Zelt geklaut, du Idiot!“

Und im Jarten des Lebens ist Humor der beste Dung

Es lebe das Campen

sacht der bergische Jung

Willibert Pauels

Willibert Pauels (Jahrgang 1954) schreibt seit 2009 eine regelmässige Kolumne im Bergischen Boten. Er wurde 1993 zum katholischen Diakon geweiht. Seit 1995 steht er als "Ne bergische Jung" in der Bütt und ist zu einer festen Größe im Kölner Karneval geworden. Er lebt mit Frau und Tochter in Wipperfürth-Hamböcken.