Weihnachten im Baumhaus

Willibert Pauels

Kennen Sie die Telenovela: „Sturm der Liebe“?  Zur Zeit, also an dem Tag, an dem ich diese Kolumne schreibe, läuft Folge 2574. Es ist eine unsägliche Schmonzette. Unglaubwürdig. Unlogisch. Kitschig.  Ich habe noch keine Folge verpasst! Dank der Aufnahmefestplatte schauen wir uns jeden Abend, als Betthupferl, eine Sendung der „Kitschkacke“, wie wir sie nennen, an. Und wehe, der Tag hat wegen irgendeinem aktuellen Anlass „Sturm der Liebe“ ausfallen lassen! Man kommt auf Turkey, also hat Entzugserscheinungen. Ja – so ein Mist kann süchtig machen. Herrlich!

Wie komme ich darauf?  Nun, als ich vernahm, dass eines der Themen des aktuellen Bergischen Boten „Baumhaus“ lautet, fiel mir die Kitschkacke ein. Dort planen die Hotelbesitzer des Fürstenhofes, Adrian (der Gute) und seine Noch-Gattin Desirée (die Böse) ein ebensolches Baumhaus als neueste Attraktion ihres 5-Sterne-Hotels. Ja, sowas gibt es wohl wirklich: 5-Sterne-Luxus-Baumhäuser!

Und da ist es an der Zeit, von meiner Kindheit zu erzählen. Mehrmals im Jahr reisten nämlich, aus der Weltmetropole „Klein-Vernich“ im Vorgebirge, meine Vettern Leo, Bappo und Gerd an. Für mich bedeutete dies jedes Mal Abenteuer und tiefstes Glück. Denn meine Vettern empfand ich als Genies. Sie konnten Flöße bauen und Holzgewehre mit Kochgummikonstruktion, mit denen man richtig schiessen konnte. Sie konnten echte Seifenkisten bauen. Und wenn wir die ersten heimlichen Zigaretten rauchten, fühlte ich mich erwachsen und verwegen. Tja, und eines Tages bauten wir ein Baumhaus. Aus alten Brettern, rohem Holz. Es war fantastisch. Gemütlich. Solide. Prächtiger als der Trump-Tower. Und wenn wir uns in unser Baumhaus zurückzogen, Pläne schmiedeten, Geistergeschichten erzählten, versank der kleine Willibert in der Glückseligkeit unbeschwerter Kindheit. Ich nehme an, die Faszination von solchen Baumhäusern (Tick, Trick und Track, die legendären Neffen von Onkel Donald (Duck, nicht Trump) treffen sich dort mit ihrem „Fähnlein Fieselschweif“ und Bart Simpson und Lisa haben auch eins) ist tief in unserem evolutionären Muster eingegraben. Verbinden sich doch in ihm Geborgenheit und Schutz („…wer jetzt kein Haus hat baut sich keines mehr …“ Rilke) mit dem Gefühl der Sicherheit (Säbelzahntiger können nicht klettern), Leo, Bappo, Gerd und Willibert in ihrem Haus in einem alten Baum an der Maiböckers-Wiese. Und die Sommerferien schienen noch endlos lang. An dem, was man Glück nennt, waren wir nie näher dran. Ach könnte man diese unbeschwerte kindliche Glückseligkeit doch ins Erwachsenenleben hinüber retten! Nehmen wir z.B. das bevorstehende Weihnachtsfest. Gab es für uns Kinder doch nichts, was uns die Ahnung des Paradieses näher brachte. „Wir warten aufs Christkind“ war Zauber und Sternenglanz, Geheimnis und Freude! Und für die Erwachsenen? Oftmals Stress, Familienkrach, zu viel gegessen, zu viel getrunken. Kater! Vielleicht sollten wir das Kind in uns herbeirufen. Und heitere Gelassenheit üben. Das geht!  Beispielsweise durch folgenden Weihnachtswitz: Die hl.drei Könige sind unterwegs zum verheißenen Neugeborenen. Balthasar ist der Träumer unter Ihnen. Dauernd ist er mit den Gedanken woanders und schaut nicht auf den Weg. In einem Ort namens Bethlehem übersieht er ein Hindernis. Seine Mitkönige rufen noch. „Vorsicht! Ein Stall!“ Vergebens. Mit voller Wucht knallt er gegen die Stallwand. Und da er ja ein König ist, würde ihm niemals ein ungehöriger Kraftausdruck entfleuchen. So hält er sich die blutende Nase und brüllt: „JESUS“!! Da kommt von innen eine Frauenstimme: „Och – das ist auch ein schöner Name. Ich wollte ihn eigentlich Karl-Heinz nennen.“

Und im Garten des Lebens ist Humor der beste Dung.

Frohe Weihnachten wünscht:

Der bergische Jung

Willibert Pauels

Willibert Pauels (Jahrgang 1954) schreibt seit 2009 eine regelmässige Kolumne im Bergischen Boten. Er wurde 1993 zum katholischen Diakon geweiht. Seit 1995 steht er als "Ne bergische Jung" in der Bütt und ist zu einer festen Größe im Kölner Karneval geworden. Er lebt mit Frau und Tochter in Wipperfürth-Hamböcken.