Große Spielkinder

Gummersbach Eine Gruppe in einem Raum. Plötzlich fallen die Türen zu – und die Uhr fängt an zu ticken. Nur wer jetzt schnell alle Rätsel löst, hat eine Chance, dem Horror zu entkommen. „Escape Games“, quasi die real gewordene Variante der „Point and Click Adventures“, sind momentan der große Trend auf dem Spielemarkt. Sie fordern Teamgeist, Kombinationsfähigkeit und Kreativität. Mit „Exit – das Spiel“ hat der Kosmos-Verlag eine Version für zuhause auf den Markt gebracht. Mit riesigem Erfolg. Und mit jeder Menge Unterstützung aus dem Oberbergischen. Denn die drei „Exit“-Varianten, die bisher auf dem Markt sind, stammen – wie viele andere Brett- und Gesellschaftsspiele auch – aus der Feder der Gummersbacher Inka und Markus Brand.

Mitte November ging bereits die vierte Auflage von „Exit“ in den Handel. „Ich hatte die dritte noch gar nicht mitbekommen“, sagt Markus Brand mit einem breiten Grinsen. Der 41-Jährige, im Hauptberuf Versicherungskaufmann, freut sich sichtlich, wenn eine Kreation von ihm und seiner Frau erfolgreich ist. Und da hat er seit gut zehn Jahren jede Menge Grund zur Freude. Seit die Brands 2006 mit „Das große Dinosaurier-Spiel“ ihr erstes Spiel auf den Markt brachten, folgten bis heute insgesamt 87 weitere. Viele davon überaus erfolgreich. „Village“ wurde 2012 als „Kennerspiel des Jahres“ ausgezeichnet, „Der verzauberte Turm“ ein Jahr später als „Kinderspiel des Jahres“.

So haben es Inka und Markus Brand zu großer Bekanntheit in der Szene gebracht. Bei Branchentreffen wie der Spielemesse in Essen würden sie schon erkannt, sagt Markus Brand. „Da will auch schon mal einer ein Selfie mit uns machen.“ Doch bis dahin war es viel Arbeit.

„Wir waren sieben Jahre total erfolglos“, erinnert sich Inka Brand an die Anfänge. 1999 auf einem Spielewochenende, als die beiden Neuheiten anderer Autoren testeten, beschlossen Markus und Inka Brand, selber unter die Entwickler zu gehen. Sie entwarfen 16 Prototypen, die allesamt abgelehnt wurden, bevor ihre 17. Entwicklung schließlich veröffentlicht wurde. War es am Anfang noch etwa jede neunte Idee, die schließlich in die Geschäfte kam, ist die Quote bis heute auf etwa 50 Prozent gestiegen. „Inzwischen ist das auch ein Stück weit Handwerk“, sagt Inka Brand. Die beiden wissen einfach, was sie tun.

Und was sie früher auch schon mal falsch gemacht haben. Das Wichtigste sei, neben einer guten Idee, diese ausführlich zu testen. „Das haben wir am Anfang etwas vernachlässigt.“ Denn nur in Tests würden eventuelle Fehler im System gefunden. Und nur ausführliche Tests würden zeigen, ob das Spiel eine Chance am Markt hätte. „Weil es der einen Gruppe gefällt, heißt das nicht, dass alle das gut finden“, sagt Inka Brand. Deswegen hat heute jeder Entwurf der beiden mehr als 100 Testrunden hinter sich, bevor er an den Verlag geht.

Als Tester müssen meist Freunde und Bekannte herhalten, unter anderem auch Freunde aus Inka Brands Kindheit, mit denen sie damals schon am Tisch saß und gespielt hat. „Wir sind heilfroh, dass wir die haben“, sagt Markus Brand. „Die spielen klaglos alles, was wir ihnen vorsetzen. Wenn es sein muss, auch 50 Mal.“

Ein Universalrezept für ein gutes Spiel haben die beiden aber auch nicht gefunden. „Wichtig ist, dass man Lust hat, das Spiel immer wieder zu spielen“, sagt Markus Brand. Wie man das aber erreiche, „das ist bei jedem anders“. Und so können die beiden trotz ihrer Erfahrung bis heute nicht vorhersagen, ob ein Spiel ein Hit wird oder nicht.

Manchmal hilft auch schlicht der Zufall. Oder ein Missverständnis. So wie bei „Würfelwurst“, das ebenfalls bei Kosmos erschienen ist. „Markus hat mir von der Arbeit eine Mail mit einer Idee geschickt“, berichtet Inka Brand von der Entstehung. Als ihr Mann abends heim kam, hatte sie schon alle Utensilien besorgt und einen Prototyp erstellt. Allerdings anders, als Markus Brand sich das eigentlich vorgestellt hatte. „Ein Missverständnis“, lacht der heute. Denn die Version, die seine Frau „versehentlich“ gebaut hat, wurde ein Riesen-Erfolg.

Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.