Messe „LebensFreudePlus“: Piccolo statt Rollator

Overath Mit „Seniorenmesse“ hatte diese Veranstaltung mal so gar nichts zu tun. Das Format „LebensFreudePlus – Auf ins Leben ab 55!“, das am Wochenende im Overather Schulzentrum Cyriax Premiere feierte, hielt genau das, was der Titel versprach: Statt Thai Ginseng gab’s Piccolo, statt Treppenlift-Ausstellern ein „athletic drum workout“ und statt Rollatoren Infos über Elektroroller und Segways. Die Agentur Strothmann aus Bergisch Gladbach wartete mit einem professionellen Programm von Diskussionen, Workshops und Ausstellern auf, das Lust auf das Leben vor und nach der Rente machte.

Über 35 fachkundige Redner und über 20 Aussteller boten den Besuchern viele Anregungen, um sich mit einem Lebensabschnitt zu befassen, der zwar das Ende der Arbeit, aber nicht das Ende der Aktivität bedeutet – und schon gar nicht das Ende vom Spaß. Spaß hatte auch Ex-Zehnkämpfer Jürgen Hingsen. Am Segway-Stand von GL Tours probierte der 58-Jährige erstmalig das Fahren einzig durch Gewichtsverlagerung aus. Bravourös meisterte er den Hindernisparcours und kommentierte die Fahrt mit einem lässigen „Echt cool!“

In der anschließenden Talkrunde mit Ex-Hochspringerin Ulrike Nasse-Meyfarth sprach Hingsen über seinen Umgang mit der Zukunft. „Ich weiß nicht, was kommt. Immer was Neues. Ruhestand gibt es in dem Sinne für mich nicht“, sagte er. In seinen Seminaren will er hauptsächlich eine positive Lebenseinstellung vermitteln nach dem Motto: „Man kann immer nochmal anfangen und sollte sich immer neue Herausforderungen suchen.“

Welche Herausforderungen das sein können, dafür gab die Messe eine Fülle an Anregungen: Malen, Schreiben, Radio machen, Ehrenamt, Gasthörerschaft an der Kölner Uni, WhatsApp und Facebook oder mal was ganz anderes mit „athletic drum workout“. Der Gladbacher Musiker Bodo von Lonski präsentierte seine Eigenerfindung: Ein Pseudo-Schlagzeug, bei dem mit Musik und Spaß Koordination und Muskeln trainiert werden und auch der Stressabbau nicht zu kurz kommt.

Von Wolfgang Bosbach über den Unternehmer Michael Metten bis zur Filmemacherin Barbara Wackernagel-Jakobs sprachen die Redner über alles rund ums Altwerden, ohne alt zu werden. Wolfgang Bosbach plädierte für ein flexibles Renteneintrittsalter, der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf für alternative Wohnformen: „Für eine WG ist man nie zu alt.“

Alles in allem eine äußerst informative Veranstaltung mit dem Fazit: Keine Angst vor dem Ruhestand, es gibt viel zu tun – man muss es nur anpacken!

Karin Grunewald, Diplom-Kauffrau, arbeitet als freie Journalistin und Autorin. Seit 2009 schreibt und fotografiert sie für den Bergischen Boten. Ihre journalistische Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet. Sie wohnt in Rösrath.