Gladbacher Mentoren helfen bei der Integration

Bergisch Gladbach Rund 80 Mentorinnen und Mentoren tragen ehrenamtlich dazu bei, dass Flüchtlinge sich leichter in der Stadt zurechtfinden und dadurch besser integrieren können. Zielgruppe sind Flüchtlinge, die aus der Sammelunterkunft bereits ausgezogen sind und nun in einer eigenen Wohnung leben, meistens mit Bleibeperspektive. Denn während in den Sammelunterkünften das Deutsche Rote Kreuz und etliche Initiativen aktiv sind, sind die Neuankömmlinge in den eigenen vier Wänden in der Regel auf sich gestellt. Genau da setzt das Mentorenprojekt an, dessen Trägerin die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach ist. Lucrecia López, eingestellt als Koordinatorin des Projekts, betont, dass diese Flüchtlinge oft Hilfe benötigen: „Nicht allen fällt es leicht, Kontakt zum deutschen Umfeld aufzunehmen.“ Auch wer diesen Schritt wagt, scheitere dennoch oft beim Verstehen amtlicher Schreiben oder hiesiger Sitten. In solchen Momenten sei es hilfreich, eine kundige Vertrauensperson zur Seite zu haben.

Diese Funktion übernehmen die Mentoren. Sie helfen den Neubürgern, den Alltag zu bewältigen, etwa bei organisatorischen und sozialen Fragen. Das kann die Begleitung zum Arzt oder zu Ämtern, die Anmeldung zu Kursen oder das Informieren über das Schulsystem sein. So wird das selbstständige Leben der Flüchtlinge im neuen Umfeld gefördert. Die Mentoren arbeiten im Tandem. So können sie sich die anvisierten zwei Besuche pro Woche bei ihren Schützlingen aufteilen, um die Belastung zu verringern. Zudem kann sich das Tandem über die Personen, die es begleitet, austauschen. Idealerweise besteht es aus einer Frau und einem Mann. So könnten sich die Mentoren gut ergänzen und effektiver helfen, erklärt López. „Manchmal kommt eine Frau mit einem Mann nicht ins Gespräch.“ Oder umgekehrt.

Wichtig sind im Miteinander von Mentoren und Neuankömmlingen drei Dinge. Die Kommunikation muss auf Augenhöhe stattfinden. Die Hilfe soll an den persönlichen Bedürfnissen ausgerichtet sein. Und es soll eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. „Wir wollen nicht, dass die Mentoren Dienstmädchen sind“, stellt López klar. Es sollten weder Lebensmitteltüten geschleppt noch Chauffeurdienste übernommen werden. Es reiche zu erklären, wo sich der Supermarkt befindet oder wie sich ein Busfahrplan lesen lässt. Der Erfolg des Mentorenprojekts liegt in seiner Individualität: Die Mentoren können ganz gezielt auf die konkreten Fragen und Bedürfnisse des betreffenden Neuankömmlings eingehen. „Man trifft sehr genau den persönlichen Bedarf. Deshalb ist das Projekt sehr effektiv“, sagt López.

Um die Kräfte der Mentoren zu schonen, haben sich die Verantwortlichen einiges einfallen lassen. So beginnen die Ehrenamtlichen in der Vorbereitungsphase mit einem Fragebogen und einer Selbsteinschätzung. Im Einzelgespräch klären sie, zu welchen Zeiten sie tätig werden  und ob sie lieber eine Einzelperson oder Familie betreuen möchten. Ein Basisqualifizierungskurs sorgt fürs nötige Rüstzeug. In der anschließenden Durchführungsphase können sich die Mentoren nicht nur mit ihrem Tandem-Partner austauschen, sondern es gibt auch eine Online-Plattform mit aktuellen Infos, die Möglichkeit der Supervision und jederzeit die Chance, Lucrecia Lopez oder ihre Mitstreiterin Paula Schäfer in der Sprechstunde aufzusuchen. Außerdem findet einmal monatlich ein Reflexionstreffen mit Impuls-Vortrag statt – und demnächst auch ein Stammtisch. Der ehrenamtliche Einsatz endet nach sechs Monaten mit einem Abschlussgespräch und Evaluation. Wer möchte, darf natürlich gerne weitermachen. Vielleicht entwickeln sich durch die Mentorenschaft auch langfristige Freundschaften zwischen alten und neuen Bergisch Gladbachern.

„Der Einsatz der Bürgerinnen und Bürger ist überwältigend“, zeigt sich López begeistert. Seitdem das Projekt vom Sozialen Netzwerk Stadtmitte zu Beginn des Jahres 2015 initiiert wurde, erhält die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach als Trägerin viel Unterstützung von örtlichen Kooperationspartnern: der Katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius, dem Kreisdekanat der Katholischen Kirche, dem Fachdienst für Integration und Migration des Caritasverbandes Rhein-Berg, der Stadt Bergisch Gladbach, dem Integrationsrat der Stadt Bergisch Gladbach und der Bürgerstiftung für Bergisch Gladbach. López’ Ziel ist es, das Mentorenprojekt mit anderen ehrenamtlichen Initiativen vor Ort zu vernetzen, um Synergieeffekte zu schaffen.

Die Nachfrage am Mentorenprojekt steigt weiter. „Wir haben momentan etwa 20 Anfragen, so dass wir etwa 40 weitere Mentorinnen und Mentoren brauchen“, so Lopez. Wer Interesse an einer Mentorenschaft hat, kann sich unter Telefon 0177-1817682 oder kontakt@mentorenprojekt-gl.de melden.