Ehrenamt-Preisträger im Porträt: Marie-Claude Danzeglocke

Wipperfürth Es klopft an der Tür. Ein junger Mann mit kurzen, schwarzen Haaren bittet um Hilfe: Seine Frau habe vor wenigen Tagen eine Fehlgeburt gehabt. Beide sind Flüchtlinge. Es gehe ihr gut, aber sie verliere Blut, gibt er in gebrochenem Englisch zu verstehen. Er will mit ihr ins Krankenhaus, weiß aber nicht wo und wie er das in Deutschland anstellen soll. Weil die Mitarbeiterin im Haus der Familie gerät in Erklärungsnot gerät, zieht sie Marie-Claude Danzeglocke hinzu. „Du weißt so etwas doch immer“, vermittelt sie. Danzglocke erklärt dem Mann wie er eine Überweisung vom Hausarzt bekommt. Erleichtert zieht er ab.

„Ich habe den Drang, Menschen mit Verständigungsproblemen zu helfen“, sagt Marie-Claude Danzeglocke. Ein weicher Akzent verrät, dass sie vor über 30 Jahren von Frankreich nach Deutschland übersiedelte. Den mühseligen Weg eine Sprache zu lernen, hat sie selbst beschritten. „Manchmal ist man regelrecht müde im Kopf“, sagt die 65-Jährige, Papier und Bleistift immer griffbereit. „Wenn auch das nicht funktioniert, gibt es schließlich noch die Sprache des Herzens. Man spürt, wenn jemand traurig ist.“

Aufgewachsen und studiert in einem Paris Vorort, arbeitete Danzeglocke zunächst als Sozialarbeiterin in einer französischen Obdachlosensiedlung. „Für mich war das mehr als ein Beruf. Das passte zu meinem Temperament“, sagt die Wahl-Wipperfürtherin. Sie lernte ihren späteren Ehemann, einen Deutschen, kennen und zog mit ihm nach Köln. Als das erste der drei gemeinsamen Kinder zur Welt kam, entschied sich das Paar für das Bergische Land als Kinderstube. Erst für Marienheide, später für Wipperfürth.

Als Mutter und Hausfrau half Danzeglocke anfangs ausländischen Schulfreunden ihrer Kinder bei den Hausaufgaben, weil deren Eltern kein Deutsch beherrschen. 1989 reif sie den Verein „Rat und Hilfe Wipperfürth“ ins Leben. Wie im Zuge der Wiedervereinigung und der Neuregelung der Abteibungsgesetze „mit Leben hantiert“ wurde, schockierte sie. Mit „Rat und Hilfe“ steht sie Schwangeren und Alleinstehenden bis heute zu Seite, egal welcher Religion. „Ich habe mit meiner Idee damals einfach ein paar Feundinnen angerufen und gefragt: machst du mit?“, erzählt Danzglocke. Als Einzige der sechs Frauen im Verein ist sie seitdem kontinuierlich dabei. „Ich bin Christin und will das mit Taten belegen.“ „Rat und Hilfe“ agiert mittlerweile unter der Trägerschaft des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer.

Wenn Rat und Hilfe gefragt sind, klingelt meist ihr Telefon. Mal sind Mitarbeiter der Stadt am Apparat, die zwischen Hilfesuchenden und dem Verein vermitteln.  Anrufe kommen fast immer spontan, dann muss sofort eine Lösung parat sein. Oft ist sie es, die weiß wer, wo, was zur Hand gehen kann, sofern es ihre eigenen Möglichkeiten übersteigt. „Als Einheimischer hat man viele Vorteile gegenüber Fremden. Für mich sind das oft ganz kleine Dinge, nichts extrem Schwieriges. Ich gebe lediglich meine Zeit“, erklärt sie. Das Ehrenamt sei ihr deshalb eine wenig unheimlich.

Jüngst erhielt Marie-Claude Danzeglocke wieder einen Anruf, dieses Mal von einem Ingenieur aus Dubai. Er bedankte sich. Dafür, dass ihn die Wipperfürtherin als gerade nach Deutschland gekommener junger Mensch stets in mütterliche Fürsorge triezte, zur Schule zu gehen. Momentan betreut Danzeglocke eine Flüchtlingsfamilie aus Armenien. „Das sind ganz tolle Leute, wenn man Nähe zulässt. Man trägt ihre Sorgen mit, zittert mit, ob sie abgeschoben werden.“ Einer anderen Familie erging es im letzten Jahr leider so. „Es läuft mir nach, wenn ich SMS-Nachrichten bekomme, wie schlecht es ihnen nach der Abschiebung geht. Ich habe ihre Gesichter vor Augen, wenn ich für sei bete.“

Der zum zweiten Mal vergebene Ehrenamtspreis der Hansestadt Wipperfürth ist in Anlehnung an das Stadtalter mit 798 Euro dotiert. Der Ehrenamtspreis wird mit finanzieller Unterstützung des Bergischen Boten realisiert.

Sebastian Last war bis April 2016 verantwortlicher Redakteur beim Bergischen Boten und schreibt jetzt als Freier Mitarbeiter. Er hat an der Deutschen Sporthochschule Köln sein Diplom in Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Medien & Kommunikation gemacht. Er wohnt in Benrath und schlägt in der Freizeit so oft es geht für seinen Badmintonverein STC BW Solingen auf.