Einsatz im Ebola-Gebiet

Sierra Leone Der Wuppertaler THW-Helfer Dominik Clarus leistete im westafrikanischen Sierra Leone fünf Wochen lang Krisenhilfe beim Kampf gegen Ebola. Ende Oktober 2014 traf er in Sierra Leone mitten im Epidemie-Gebiet ein. Hier wurden bis dato die meisten Erkrankungen gezählt (rd. 8.000, Dezember 2014). Clarus war Teil eines vierköpfigen Teams des Technischen Hilfswerks (THW), das im Auftrag der Bundesregierung unter anderem in einem betroffenen Dorf ein Versorgungscamp für medizinisches Personal aufbauen sollte. „Wir haben das Feld für die Ärzte bereitet“, erklärt Clarus. Er hatte sich freiwillig für diesen Einsatz gemeldet.

BB: Herr Clarus, der Ebola-Virus wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter übertragen. Hatten Sie jemals Angst, sich anstecken zu können?
Clarus: Nein, lediglich gesunden Respekt. Als uns der Helikopter in dem Dörfchen Kumala absetzte, wurden wir direkt von rund 50 neugierigen Einwohnern umringt. Da musste ich schon kurz schlucken. Die Luftfeuchtigkeit ist enorm hoch, man war ständig nass. Da passiert es schnell, dass man sich Schweiß in die Augen reibt. Eigentlich ist aber die „no touch policy“ in Sierra Leone Standard – jede Berührung, jeder Handschlag wird vermieden, selbst unter THW-Helfern.

BB: Wie mussten Sie sich auf den Einsatz vorbereiten?
Clarus: Es gibt einen Lehrgang für Auslandseinsätze und regelmäßige Tauglichkeitsuntersuchungen. Für den notwendigen Impfschutz muss man selbst sorgen, daher kommen nicht alle THW-Helfer für solche Einsätze in Frage. Ich war mit Abstand der Jüngste im Team.

BB: Welche Sicherheitsvorkehrungen mussten Sie einhalten?
Clarus: Wir hatten stets ein kleines Fläschchen Desinfektionsmittel dabei und wuschen uns bei jeder Gelegenheit die Hände. Jeden Morgen und Abend sowie vor Betreten aller öffentlichen Einrichtungen wird Fieber gemessen und desinfiziert.

BB: Sie sind gelernter Kfz-Mechatroniker. Was war Ihr Auftrag?
Clarus: Zunächst erkundeten wir in der Hauptstadt Freetown die Gegebenheiten für den Aufbau einer Kfz-Werkstatt für kleine Servicewartungen, zum Beispiel an UN-Fahrzeugen. Es gab aber keine To-do-Liste. Viel war Eigeninitiative. Es galt, Kontakt zu anderen Hilfsorganisationen zu knüpfen und so ergaben sich viele unserer Einsätze.

BB: Zum Beispiel?
Clarus: Einmal erfuhren wir am Frühstückstisch durch Mitarbeiter der Welthungerhilfe von einem kaputten Tor an einer Aufenthaltsstation für Verdachtsfälle. Angehörige von Infizierten konnten dadurch nachts eindringen, sich anstecken und das Virus verbreiten. Also reparierten wir das Tor mit einem einheimischen Schweißer. In Afrika dauert das sonst immer seine Zeit.

BB: Welchen Eindruck haben Sie von dem Land gewonnen?
Clarus: Ebola ist zwar überall auf großen Hinweisschildern präsent, Freetown besitzt aber eine grundsätzlich intakte Infrastruktur. Selbst Laserdrucker kann man dort kaufen – allerdings zu horrenden Preisen. Eine Pizza kostet umgerechnet 16 Euro. Armut und Reichtum liegen nah beieinander. Die hygienischen Bedingungen sind schlecht. Menschen waschen sich in Bächen, in die Abwässer fließen.

BB: Von Freetown ging es per Helikopter schließlich eineinhalb Flugstunden landeinwärts nach Kumala.
Clarus: Ja, dort errichteten wir ein autarkes Zeltcamp als Unterkunft für Ärzte und Pfleger eines nahen Community Care Centers, in dem Ebola-Patienten versorgt werden. Das Camp bestand aus Schlaf-, Dusch- und Küchenzelten und hatte etwa die Größe eines Fußballfeldes.

BB: Sie selbst fanden jedoch keinerlei Infrastruktur vor.
Clarus: Richtig. Der Helikopter setzte uns samt Material quasi im Nichts ab. Wir duschten täglich mit einer 1,5 Liter Flasche Trinkwasser. Dieselkraftstoff für unsere Generatoren kauften wir den Dorfbewohnern ab, um in der Nacht festzustellen, dass manche Kanister mit Wasser gestreckt waren. Das feuchtwarme Klima ließ uns maximal fünf Stunden schlafen, mittags reichte oft ein Keks, um den Hunger zu stillen. Wir haben richtig reingeklotzt, um alles entspannt kontrollieren zu können. Heute kann ich sagen: So einen Einsatz könnte nicht jeder leisten.

Sebastian Last war bis April 2016 verantwortlicher Redakteur beim Bergischen Boten und schreibt jetzt als Freier Mitarbeiter. Er hat an der Deutschen Sporthochschule Köln sein Diplom in Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Medien & Kommunikation gemacht. Er wohnt in Benrath und schlägt in der Freizeit so oft es geht für seinen Badmintonverein STC BW Solingen auf.