Nach dem Geldschein das Weltkulturerbe?

Remscheid/Solingen Sie gehört ohne jeden Zweifel zu den Wahrzeichen des Bergischen Landes: Die Müngstener Brücke, die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands, auf der Grenze zwischen Remscheid und Solingen soll (endlich) UNESCO-Weltkulturerbe werden. Ob das, im zweiten Anlauf und zum 120. Geburtstag, klappt, ist fraglich. Sicher ist hingegen jetzt schon, dass die Brücke ihren eigenen Geld-Schein bekommt. Eine 0-Euro-Banknote.

Damit bekommt nach Schloss Burg bereits die zweite Bergische Sehenswürdigkeit einen solchen Geldschein. Die Banknoten sind absolut echt, inklusive aller Sicherheitsmerkmale, und sogar von der Europäischen Zentralbank enerkannt – ihr Nennwert beträgt allerdings genau null Euro. Trotzdem sind sie nicht wertlos. Gerade in Frankreich, dort enstand die Idee dieses Souvernirs, gibt es zahlreiche Sammler, die zum Teil gute Preise für die streng limitierten Geldscheine zahlen. Schloss Burg zum Beispiel verkauft inzwischen schon die dritte Auflage, die Scheine der ersten Auflage werden mit Preisen über 20 Euro gehandelt. Ursprünglich gekostet haben sie gerade mal zwei Euro.

Der Bergisches Land Tourismus Marketingverein will nun, zum 120. Geburtstag der Brücke, einen solchen 0-Euro-Schein für die Müngstener Brücke anbieten, ebenfalls für zwei Euro je Stück. Zu kaufen gibt es die Banknote über den Verein und an einem speziellen Geldautomaten im Haus Müngsten im Brückenpark unter der Brücke. Wer einen haben will, sollte sich beeilen: Die ersten 4.000 der insgesamt 10.000 gedruckten Exemplare waren bereits vor dem eigentlich Verkaufsstart vergriffen. Der französische Hersteller der Scheine informiert seine Stammkunden über neue Auflagen, die sich dann Teile davon vorab sichern. Auch die Wuppertaler Schwebebahn soll einen 0-Euro-Schein bekommen.

Wesentlich komplizierter dürfte sich der Plan gestalten, die Müngstener Brücke auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes heben zu lassen. Spätestens seit im Rahmen der Regionale 2006 der Park unter der Brücke eröffnet wurde und sich schnell zur Touristen-Attraktion entwicklet hat, wäre das unter touristischen Gesichtspunkten äußerst spannend für die Region. Ein erster Bewerbungsversuch scheiterte aber vor knapp drei Jahren bereits in der Vorauswahl. Die Müngstener Brücke für sich allein, so hieß es damals, habe keinen „außergewöhnlichen universellen Wert“.

Deswegen hat man sich nun Hilfe in halb Europa geholt und möchte den nächsten Versuch zusammen mit vier weiteren Brücken in Portugal, Italien und Frankreich starten. Alle fünf Brücken enstanden etwa zur selben Zeit und sehen sich zum Teil verblüffend ähnlich. Auf einem Fachkongress Ende Oktober soll ein internationales Netzwerk für die Bewerbnung und deren inhaltliche Gestaltung erarbeitet werden. Doch auch danach wird es noch lange dauern: Jedes Unterzeichnerland darf maximal zwei Vorschläge fürs Weltkulturerbe pro Jahr machen. Die deutschen Vorschläge für 2018 stehen bereits fest – und auch danach warten noch 13 weitere Vorschläge auf einer Liste, auf die die Müngstener Brücke erst noch draufkommen will.

Gefeiert wird der 120. Geburtstag der Brücke aber noch dieses Jahr. Mit einem Brückenfest am 28. und 29. Oktober. Geplant sind ein Musikprogramm, Lichtilluminationen und vieles mehr.

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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