Röngenmuseum in Lennep feiert Geburtstag

Nach der Feierstunde zur Eröffnung des Röntgenmuseums stehen vor dem Röntgengymnasium in der ersten Reihe v.l.n.r.: Museumsdirektor Dr. Wilhelm Rees, Prof. Dr. Paul Krause, Oberbürgermeister Dr. Walter Hartmann und der Gründer des Röntgenforschungsinstitutes der Universität Bonn Prof. Dr. Leonard Grebe.

Remscheid Das Deutschen Röntgenmuseum in Remscheid-Lennep feiert runden Geburtstag. Das etwa 2.100 Quadratmeter große Museum, das jedes Jahr rund 15.000 Besucher begrüßt, wurde am 18. Juni 1932 eröffnet, begeht nun also seinen 85. Geburtstag.

Wilhelm Conrad Röntgen, der Entdecker der nach ihm benannten Strahlen, wurde am 27. März 1845 in Lennep, damals noch eigenständige Kreisstadt, geboren und verbrachte hier auch seine ersten Lebensjahre. Der Spross einer Tuchmacherfamilie zog 1848 mit seinen Eltern ins niederländische Apeldorn und begann 1865 sein Studium in Zürich – auch weil ihm für ein Studium in den Niederlanden der notwendige Abschluss fehlte. Nach Stationen in Hohenheim bei Stuttgart, Straßburg und Gießen wurde er 1888 Professor an der Universität Würzburg, wo er am 8. November 1895 die „X-Strahlen“ entdeckte, die im deutschen Sprachraum heute meist als Röntgenstrahlen bezeichnet werden.

Röntgens Arbeit revolutionierte nicht nur die Medizin, sie bereitete auch den Weg für neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse, wie zum Beispiel die Entdeckung der Radioaktivität. Vielen gilt Röntgens Schaffen als der Start in die moderne Physik, auch wenn Röntgen selber als klassischer Physiker vermutlich gar nicht die Bedeutung seiner Entdeckung überschauen konnte. 1901 wurde er, als erster Mensch überhaupt, mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Wilhelm Conrad Röntgen verzichtete bewusst darauf, seine Entdeckung durch ein Patent zu schützen und so daran zu verdienen. Er sei der Meinung, dass „seine Erfindungen und Entdeckungen der Allgemeinheit gehören und nicht durch Patente, Lizenzverträge und dergleichen einzelnen Unternehmungen vorbehalten bleiben dürften“, teilte er einem großen Technikunternehmen einmal mit. Der von ihm entwicklete Röntgenapparat fand durch diese Entscheidung eine wesentlich schneller Verbreitung in der Medizin. Röntgen lehnte außerdem ein ihm angetragenes Adelsprädikat ab und stifte das Preisgeld seines Nobelpreises der Uni Würzburg. Als ordentlicher Universitäts-Professor und Erbe einer Tuchmacherfamilie war Röntgen wirtschaftlich abgesichert.

Erste Ideen zur Einrichtung eines Röntgenmuseums wurden von der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) bereits kurz nach deren Gründung im Jahr 1905 diskutiert. Zahlreiche Radiologen begannen enthusiastisch mit der Sammlung von Exponaten. Jedoch konnte kein geeignetes Gebäude bezogen werden. Parallel zu diesen Bemühungen, beschloss das Präsidium der Rheinisch-Westfälischen Röntgengesellschaft unter Vorsitz des Münsteraner Internisten und Radiologen Paul Krause im Jahr 1929 Spenden für die Einrichtung eines Denkmals zu Ehren Wilhelm Conrad Röntgens an seinem Geburtsort in Lennep zu sammeln. Am 29. November 1930 wurde das von Arno Breker geschaffene Kunstwerk „Der Genius des Lichts“ feierlich am Thüringsberg unweit seines Geburtshauses enthüllt.

Während der Feierstunde unterbreitete Paul Krause den Vorschlag, im Geburtshaus Röntgens ein Museum einzurichten. Dieser Vorschlag wurde sofort vom damaligen Oberbürgermeister der Stadt Remscheid Walther Hartmann aufgegriffen. Da das Geburtshaus Röntgens nicht zum Verkauf stand, entschloss man sich in der Stadtverordnetenversammlung das vis-à-vis des Denkmals befindliche Bergische Patrizierhaus aus dem Jahre 1803 anzukaufen. Hier wurde am 18. Juni 1932 das Röntgenmuseum feierlich eröffnet.

In den vergangenen Jahren wurde das Museum umgebaut und erweitert, unter anderem im Rahmen der Regionale 2006, inzwischen gibt es auch einen Museumsshop und ein dazugehöriges Café. Zur Sammlung des Museums gehören Röntgen-Geräte und Apparate aus mehr als 100 Jahren und persönliche Dinge des Nobelpreisträgers. Zu sehen ist auch der Versuchsaufbau, mit dem Röntgen 1895 die Entdeckung der „X-Strahlen“ gelang. Ein vielfältiges museumspädagogisches Programm gibt Unterstützung bei der Erschließung der faszinierenden Welt der Röntgenstrahlen, jedes Jahr werden etwa 200 bis 300 Führungen im Röntgenmuseum angeboten.

www.roentgenmuseum.de

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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