Dave Davis: Glück ist eine Holschuld

Als Klo-Mann Motombo Umbokko  wurde er berühmt, jetzt ist er vor allem „als er selbst“ unterwegs. Im Juni sowohl in Wipperfürth als auch in Overath. Wir sprachen mit Comedian Dave Davis über den Kapitalismus, Sankt Martin und den „Club der Schwatten“.

BB: Bevor ich meine Fragen stelle: Was ist die Frage, die du sonst am häufigsten gestellt bekommst?

Dave Davis: Ob ich aufgrund meiner Hautfarbe schon mal schlecht behandelt wurde. Das scheint für die Leute total naheliegend zu sein.

BB: Ich hätte jetzt gedacht, dass die meisten sich erst mal vorsichtig erkundigen, wie man deine Hautfarbe eigentlich korrekt beschreibt: Schwarz, farbig, maximal pigmentiert?

Dave Davis: Ich hätte eigentlich gedacht, dass sich das schon längst mal durchgesetzt hat. Hat es aber nicht. Vielleicht gründe ich mal ein Komitee, „Club der Schwatten“ oder so, und wir legen dann jede Woche fest, wie wir gerade heißen. Nur damit wir einheitlich sind und den weißen Mann ein bisschen irritieren. Dabei ist es eigentlich einfach: Wenn man von sich selber sagt, dass man weiß ist, dann sind wir halt schwarz.

BB: Aber wenn du farbig bist, dann wäre ich farblos, wie du ja selber in deinem Programm sagst.

Dave Davis: Wenn man immer mit dem Gegenteilsprinzip arbeitet, dann wäre ich maximal pigmentiert und der weiße Mann entsprechend minder pigmentiert. Das bekommt dann schon was karikatives. Wenn ich meiner Mama sage, dass ich gestern vor 500 Minderpigmentierten gespielt habe, sagt die: Junge ich bin stolz auf dich, die haben es ja auch schwer.

BB: Dein zweites Programm hieß „Live & in Farbe!“, dein aktuelles heißt „BLACKO MIO“, deine Hautfarbe scheint ja ein Thema für dich zu sein.

Dave Davis: Eigentlich ist das gar kein Thema für mich. Aber die meisten wissen halt nicht, wie das ist, so zu leben, und deswegen gebe ich denen einen kurzen Einblick. Ich bin dann aber auch schnell weg von der Thematik. Klar bietet das hier und da eine gewisse Fallhöhe. Aber eigentlich geht es um Gesellschaftliches. Das ist Kabarett und Comedy und schwarzer Humor.

BB: Das eigentliche Thema deines Programmes ist ja auch was anderes, nämlich die Frage, warum hier alle motzen und Angst haben, obwohl es uns doch eigentlich sehr gut geht.

Dave Davis: Genau. Wir leben ja alle unter der gleichen Sonne und trotzdem findet der eine alles schrecklich und der andere findet alles cool. Und ich rücke das alles mal wieder ein bisschen zurecht.

BB: Aber woran liegt es denn, dass hier so viele meckern?

Dave Davis: In unserem System, im Kapitalismus, denken scheinbar viele, dass sie nur durch das, was sie haben, wer sind. Und nicht weil sie einfach schon da sind. Dabei sollte ja die Grundmaxime eigentlich sein, dass ich wertvoll bin, weil ich geschaffen oder geboren wurde. Wer das erkennt, liebt sich selber. Und kann dann auch den anderen lieben. Dann denkt man auch nicht mehr in diese Kategorien: Schwarz, Weiß, Gelb, Grün, Ossi, Wessi. Wenn das aber nicht so ist und sich jemand ausgegrenzt fühlt, dann führt das halt zu Terror, Stress und Ärger, was man in der Gesellschaft aktuell ja auch sieht. Der Kapitalismus und die Ellenbogengesellschaft tun dann ihr übriges. Darüber vergessen wir unsere Menschlichkeit

BB: Müssen wir also unsere Menschlichkeit wiederentdecken?

Dave Davis: Wiederentdecken und auch praktizieren. Was ist das denn sonst für ein Glaube, wenn wir in den Gottesdienst gehen, Sankt Martin feiern und Tränen in die Augen kriegen, wenn unsere Kinder das nachspielen. Und auf dem Heimweg fragt uns ein Syrer nach einem Euro und wir sagen: Hau ab, du Sau!

BB: Heißt also auch, dass wir mal dringend an unseren Werten arbeiten müssten?

Dave Davis: Der Afrikaner, der hat ja gar nichts, ist aber durchschnittlich genauso zufrieden wie wir hier. Also muss da doch irgendwas verkehrt sein an dem, was wir für so wichtig halten. Dem gehe ich auf den Grund. Aber ich kann das ja jetzt nicht alles erzählen, sonst kommt ja keiner mehr.

BB: Gut, dann kümmern wir uns mal um deine Vergangenheit. Du stehst seit zehn Jahren auf der Bühne. Vorher warst du Versicherungskaufmann und hast Klingeltöne für Jamba produziert. Was von beidem ist dir heute peinlicher?

Dave Davis: Peinlich ist mir nichts davon. Ich habe viel dabei gelernt. Zum Beispiel, was ich nicht möchte. Und das hat mich natürlich beflügelt, das zu machen, was ich jetzt mache.

BB: Auf der Bühne hast du ja als Mutombo begonnen, seit 2014 trittst du aber nur noch unter deinem richtigen Namen auf. 

Dave Davis: Den Mutombo gibt es noch im Karneval, sogar recht erfolgreich. Ich schließe das auch gar nicht aus, dass der nochmal in meinem Solo-Programm auftaucht. Aber im Moment mach ich den nur im Karneval und bin sonst als ich selbst auf der Bühne. Das ist rein handwerklich natürlich interessant, weil ich ja jetzt ich selber bin.

BB: Wobei Mutombo doch handwerklich sicher auch super war. Wenn du aus Hartz IV „Hass vier“ gemacht hast, ist das sprachlich schon ein Glücksgriff.

Dave Davis: Ja, das hat Spaß gemacht und war für den Einstieg auch leichter, weil ich nicht ich selbst sein musste. Zumal man so eine Figur ja noch viel, viel mehr überhöhen kann. Und dadurch kann man auf bestimmte Missstände ganz anders hinweisen. Wie ein Narr, der, egal was er sagt, nicht geköpft wird. Als Dave habe ich dieses Schutzschild nicht.

Dave Davis: BLACKO MIO
Do 8. Juni, 20 UhrAlte Drahtzieherei, Wipperfürth,
Mi 14. Juni, 20 Uhr, Cyriax Schulzentrum, Overath

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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