„Was issen eigentlich Ostern?“

Zwei Jugendliche schlendern durch die Straßen und sehen zum wiederholten Male in einer Schaufensterdekoration die Parole „Frohe Ostern!“. Daraufhin fragt der eine Jugendliche seinen Kumpel: „Was issen eigentlich Ostern?“ Darauf der andere: „Keine Ahnung. Ich glaub, da is‘ irgend son Hase geboren.“

In meiner Jugendzeit wäre diese Erzählung nur durchgegangen als Witz, welcher in irgendeinem nichtchristlichen Land spielt. Ich fürchte, er könnte heutzutage durchaus bei uns stattfinden. Aber abgesehen von dem historischen Wissen: Auch ich und alle, die Ostern noch von seiner eigentlichen Bedeutung kennen, sollten sich die Frage stellen: „Was ist denn Ostern für mich?“

Hier also meine ganz persönliche Meinung: Wenn ich mit meinen Freunden der atheistischen „Giordano-Bruno-Gesellschaft“ diskutiere, begegnen sie mir stets mit dem Argument: „Früher brauchten die Menschen einen Gottesglauben, um sich die Welt zu erklären. Heute aber erklärt die Wissenschaft die Welt. Und von daher wissen wir zum Beispiel, dass alles Leben nichts anderes ist, als bio-chemische Reaktion. Und auch was du für ,geistige Dimension‘ hältst, ist nichts anderes als bio-chemische Reaktion in deinem Gehirn.“

„So, so“, antworte ich dann stets, „wenn dir diese Perspektive genügt, ist es ja gut. Mich würde es zutiefst verzweifelt machen, wenn deine Perspektive wahr ist.“ – „Hä?! Warum das denn?“ Weil es in der Konsequenz folgendes bedeutet: Kannst du deinem Kind in die Augen schauen und dabei wirklich gelassen und heiter deiner Perspektive folgen und denken: „Tja Kind, eigentlich bist du nichts anderes als ein Zellhaufen, der bio-chemisch reagiert. Und wenn ich dich lieb habe, ist auch das letztlich nichts anderes als eine bio-chemische Reaktion in meinem lymbischen Gehirnlappen zwecks Erhaltung der Art. Und wenn Du stirbst, Kind, gehst Du halt den Weg aller Materie: in die Verrottung auf den kosmischen Abfallhaufen des Nichts.“ Ich glaube dagegen an die Perspektive meiner Eltern. Wenn sie mir in die Augen schauten wusste ich, dass sie folgendes dachten: „Willibert, du hast eine Seele, Kind, und deine Seele ist kostbarer als das ganze Universum, und nichts kann deine Seele zerstören. Auch nicht der Tod!“ Was meine Eltern mir sagten und immer wieder erzählten war die österliche Perspektive. So wie es schon Michelangelo sagte: „Wenn wir sterben, gehen wir nicht ins Nichts, sondern wir wechseln nur die Räume.“ Das ist Ostern!

So – und jetzt haben alle, die nicht in die Kirche gehen, aber diese Kolumne bis hierher gelesen haben, trotzdem eine Predigt gehört. Hi Hi. Damit es nicht zu fromm wird, schnell noch einen Osterwitz: Joseph von Arimatäa, der dem toten Jesus sein Grab zur Verfügung gestellt hatte, kommt nach dem Reu-Zech am Karfreitag mit bangen Gefühlen nach Hause. Er muss seiner Gattin ja gestehen, dass er ihr Familiengrab vergeben hat. Wie erwartet, ist sie auf 180! „Spinnst du!“, keift sie, „nicht nur, dass du eine gewaltige Fahne hast, nein, du musstest auch noch unser teures Familiengrab an diesen hergelaufenen Jesus vergeben! Hast du se noch alle?!“ Darauf Josef von Arimatäa: „Reg dich nich‘ auf Liebchen. Et is nur über’t Wochenende!“

Und im Garten des Lebens ist Humor der beste Dung. Frohe Ostern! wünscht: der bergische Jung
Willibert Pauels

Willibert Pauels (Jahrgang 1954) schreibt seit 2009 eine regelmässige Kolumne im Bergischen Boten. Er wurde 1993 zum katholischen Diakon geweiht. Seit 1995 steht er als "Ne bergische Jung" in der Bütt und ist zu einer festen Größe im Kölner Karneval geworden. Er lebt mit Frau und Tochter in Wipperfürth-Hamböcken.