Licht – neu gedacht

Unter der Leitung von Professor Hartmut Bärwolff (vordere Reihe, links) hat das Gummersbacher Forschungsteam zahlreiche Mess- und Steuerkomponenten entwickelt und diese vernetzt. Unterstützt wurde die Arbeit von Florian Schmitz, Geschäftsführer der Firma Scemtec (stehend, 3. v.li.).

Gummersbach Der Industrie-Beleuchtung steht eine Revolution bevor – und sie geht von Gummersbach aus. Eine Forschungsgruppe am Gummersbacher Campus der Technischen Hochschule Köln hat ein System entwickelt, mit dem die Beleuchtung in Industriehallen so gestalten werden kann, dass die Produktivität steigt und der Energieverbrauch sinkt. Und das sich auch noch selbstständig optimiert.

Bisher achtete man bei der Beleuchtung von Hallen vor allem auf die Helligkeit. Selbst dass sich die durch äußere Einflüsse, vor allem Tageslicht, stetig ändert, wurde kaum berücksichtigt. Dabei haben aber auch zahlreiche andere Faktoren Einfluss auf die Mitarbeiter in den Hallen, zum Beispiel das Spektrum des Lichts, sogar außerhalb des sichtbaren Bereichs, und die so genannte Lichtfarbe. Und selbst die Frequenz, mit der LED-Lampen gedimmt werden, wirkt sich, obwohl das Auge dies nicht wahrnimmt, auf Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden aus.

All dies versucht die Gummersbacher Forschungsgruppe zu berücksichtigen. Unter der Leitung von Professor Hartmut Bärwolff und in Zusammenarbeit mit der Firma Scemtec aus Reichshof und Dr. Walter-Uwe Weitbrecht, dem ehemaligen Chefarzt der Neurologie am Gummersbacher Krankenhaus, haben wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende der TH die notwendigen Bausteine entwickelt und sie vernetzt. Dabei messen Sensoren alle Faktoren wie Helligkeit, Spektrum und Lichtfarbe und stellen dann das künstliche Licht entsprechend ein. Das in die Halle einfallende Tageslicht wird dabei berücksichtigt oder mit schaltbaren Gläsern passend reguliert. Der Nutzer muss nur noch den Verwendungszweck vorgeben, den Rest regelt das System.

Während zum Beispiel bläulicheres Licht die Konzetrationsfähigkeit positiv unterstützt und für kürzere Reaktionszeiten sorgt, fördert rötliches Licht die Gedächnisleistung und erhöht die Konsensfähigkeit. So kann das „richtige“ Licht die Fehlerquote der Mitarbeiter senken, deren Produktivität erhöhen und durch ein höheres Wohlbefinden die Ausfallzeiten durch Krankheit verringern. Dabei gehe es nicht darum, das letzte aus den Angestellten heraus zu holen, wie Professor Harmut Bärwolff betont. Sondern ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sie lieber und erfolgreicher arbeiten.

„Wir sind vom Licht abhängig“, sagt Professor Bärwolff, der selber zugibt, am Anfang seiner Forschungsarbeit nicht mit diesen Ausmaßen, wie sich das Licht zum Beispiel auf Mitarbeiter in der Produktion auswirkt, gerechnet zu haben. Nun müsse es darum gehen, „an jedem Arbeitsplatz das richtige Licht zu haben“. Dafür müssten die Entscheider erkennen, wie wichtig dieses Thema ist: „Da muss ein Paradigmenwechsel stattfinden“, sagt Bärwolff.

Die Grundlagen dafür haben die Gummersbacher – mit 500.000 Euro vom Bundesministerium für Wirtschafts gefördert – geschaffen. Um die praktische Anwendung möchte sich nun unter anderem die Firma Scemtec kümmern, die seit mehr als 20 Jahren mit der Fachhoschule am Standort Gummersbach zusammenarbeiten. Deren Geschäftsführer Florian Schmitz schätzt, dass es zwei bis fünf Jahre dauern wird, bis die Forschungsergebnisse und Entwicklungen aus dem aktuellen Projekt in den Industriehallen dieser Welt Verwendung findet.

Dabei sei es gar nicht das Problem, die technischen Bausteine, die derzeit nur als Prototypen existieren, zur Serienreife weiter zu entwickeln. Es gehe eher darum, echte Überzeugungsarbeit zu leisten. Dass besseres Licht für mehr Produktivität und weniger Krankheitstage sorge, stehe fest, so Schmitz. Aber nur, wenn sich diese Erkenntnis bei den Verantwortlichen durchsetze, würde sich die neue Technologie auch durchsetzen, sagt Schmitz: „Am Ende muss das ja jemand kaufen.“

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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