Gastro-Tipp: Die magischen Ägypter

Nima Firouzi, rechts, im Hauptberuf Musiker (Elektro & HipHop), serviert mit Coolness-Faktor.

Bergisch Gladbach „Wer kocht denn bei Ihnen?“ frage ich am Telefon. „Wir haben zwei magische Ägypter in der Küche“, antwortet Kellner Nima Firouzi trocken. Eine halbe Stunde später stehe ich ihm gegenüber und wundere mich erst mal. Wo bin ich? Dönerbude oder Restaurant? „Der Chef (Kaan Candan) wollte keinen Dresscode. Jeder soll sich unser Essen leisten können“, entgegnet Firouzi, „deswegen sind wir beides in einem“. Links Döner (auch als arabische Schawarma-Version erhältlich), rechter Hand eine geschmackvoll eingerichtete Restaurant-Ecke, die so gar nicht nach Imbiss aussieht.

Auch die Hintergrundmusik überrascht, arabische Chillout-Lounge mit Tracks von Natasha Atlas und Said Mirad, stark. Ein Blick auf die ägyptisch-arabische Speisekarte, zum Glück in Deutsch, lässt mich erst einmal verwundert die Preise registrieren. Koschari, das ägyptische Nationalgericht für nur 3,50 Euro? Probieren wir‘s, dazu einen Fatoush-Salat. Als Getränk empfiehlt mir Firouzi einen Tufaha Beltwabel, frischer Apfelsaft mit Zimt und Nelken. Das Getränk serviert Firouzi auf eine unnachahmlich tiefenentspannte Macho-Art. Man entschleunigt beim Zusehen, obwohl er extrem schnell auftischt. Der Apfelsaft weckt den Verdacht, er könnte tatsächlich frisch gepresst sein und er ist köstlich gewürzt. Minuten später steht das Koschari vor mir. Ein geschichteter Eintopf aus Reis, Nudeln, Linsen und Kichererbsen. Garniert mit gerösteten Zwiebeln schmeckt es gar nicht so fremd für meinen deutschen Gaumen, sondern einfach herzhaft lecker. Der Salat mit gewürfelten Tomaten, Schafskäse, Gurkenscheiben und einem wunderbaren Petersilen-Grundton passt hervorragend dazu. Ein heißer schwarzer Tee zum Abschluss geht auf‘s Haus.

Lamm "Kebab Hallah" mit Reis und Salat Shiraz, Gurken-Tomaten-Salat mit einem Hauch Minze.

Lamm „Kebab Hallah“ mit Reis und Salat Shiraz, Gurken-Tomaten-Salat mit einem Hauch Minze.

Zwei Tage später komme ich wieder zum Doppelcheck. Erneut gute Musik. Diesmal kommt mir Lamm auf den Teller, Kebab Hallah, in herzhafter Sauce mit Reis. Dazu Salat Shiraz. Der Gurken-Tomaten-Salat schmeckt diesmal nach Minze. Die Lammstücke sind köstlich, mit einem Hauch fremdländischer Gewürze. Dazu hat mir Firouzi ein australisches Bundaberg Ginger Brew auf den Tisch gestellt. Kein Bierersatz, aber um Klassen besser als jedes alkoholfreie Kölsch, das ich kenne. Die zwei magischen Ägypter sind übrigens die exzellente Köchin Kadischa Khatib und der Dönerchef Qadeer Shah aus Pakistan. Testurteil: Lecker, lecker, lecker – aber echt zu preiswert.

Exodus, Bergisch Gladbach, Hauptstr. 206, täglich 10-23 Uhr, www.facebook.com/RestaurantExodus

Paul Kalkbrenner ist Herausgeber des Bergischen Boten. Der gelernte Schriftsetzer studierte in Köln Visuelle Kommunikation und arbeitete als Designer, Fotograf und Redakteur unter anderem für Musikexpress, Prinz und die Autozeitung. In den 90er Jahren war er mit seiner Merchandising-Firma und legendären T-Shirts wie "Keine Macht den Doofen" erfolgreich. 2008 gründete er den Bergischen Boten. Er entspannt sich bei Gartenarbeit und ist leidenschaftlicher Musikfan. Er wohnt mit seiner Familie in Kürten.

Hinterlasse einen Kommentar