Ein ganzer Tag mit Querbeat

Querbeat

Köln/Bonn Als die letzten Töne von „Stonn op un danz“ in den Kölner Sartory Sälen verklungen sind, ist es 1:36 Uhr. Dass Karnevalsbands wie Querbeat in der Session viel unterwegs sind und mehrere Auftritte an einem Tag haben, ist bekannt. Was das allerdings bedeutet und wie so ein Tag abläuft, können sich die Wenigsten vorstellen. Schon sieben Stunden zuvor „backstage“ im Bonner Brückenforum prophezeit mir Posaunist Hubertus Gierse einen „langen Tag“. Er sollte recht behalten.

Aber von Anfang an: Ich habe mich mit der Band am Proberaum verabredet. Von dort geht es zu fünf Auftritten. Als mir das Navi sagt, ich habe mein Ziel erreicht, habe ich zunächst Zweifel. Keine stillgelegten Lagerhallen, sondern ein Gebäude mitten in der Stadt, das auch ein Wohnhaus hätte sein können. Nachdem der Kölner Teil von Querbeat das Equipment eingeladen hat, geht es auf nach Bonn, um den Rest der Band aufzusammeln. Nach zwei Zwischenstopps ist die Band komplett.

Der erste Auftritt ist eine Herrensitzung im Bonner Brückenforum. Zehn Minuten vor Stagetime, bevor es also auf die Bühne geht, kommen wir an. Im Backstage-Bereich ist es eng. Doch viel Zeit bleibt ohnehin nicht. Aus dem Saal ertönt das Intro von Querbeats-Einlaufmusik. „One, two, three, four“ wird eingezählt, dann stürmt die Band den Saal. Sie braucht keine Sitzungskapelle. Mit ihren Blasinstrumenten spielt die Band sich selbst im Stil von Cameos „Word Up“ auf die Bühne. Es folgen die bekannten Hits, „Hück oder nie“, „Dä Plan“ und „Nie mehr Fastelovend“, bandintern „NMF“ genannt. Als Zugabe spielt Querbeat „Stonn op un danz“ mit einem Ausflug zu Beyonces „Crazy in love“.

Querbeat besteht aus 15 außergewöhnlich guten Musikern, viele haben ihr Instrument studiert. Das ist nicht zu überhören.

Querbeat

Auch im Bus ist die Stimmung bei der Band gut.

Backstage ist dann mal etwas mehr Zeit. Beim Essen und einem Glas Kölsch wird der erste Auftritt bewertet. Querbeat kam fast am Ende des Programms, dementsprechend ausgelaugt war auch das Publikum schon, was auch der Band nicht verborgen blieb. Gefallen hat es trotzdem. Jetzt ist es auch Zeit für die ersten Selfies und Autogramme. Die Band nimmt jeden Wunsch herzlich an. Und diese Herzlichkeit ist nicht gespielt, auch ich werde sehr freundlich aufgenommen.

Für den nächsten Auftritt geht es nach Köln ins Gürzenich. Hier ist das Ambiente schon ein anderes. Keine verkleideten Herren, sondern gemischtes Publikum im Anzug sind die Gäste auf der Prunksitzung.

Der Backstage-Bereich ist eine Treppe im Foyer. Von Allüren auch hier keine Spur. Die Musiker scherzen, machen geduldig Fotos und spielen sich ein wenig warm für den Auftritt. Trompeter Matthias Hesseler macht sogar ein paar Dehnübungen. Dann ist es Zeit und es ertönt wieder das Intro. Mühe mit dem Publikum hat die Band auch hier keine. Ihre Bühnenshow ist einfach mitreißend. Stillstand gibt es nicht, stattdessen Choreographien und Einlagen auf den Tischen im Saal.

Bei Sitzungen gibt es für Querbeat die Orden immer gleich im Dutzend.

Bei Sitzungen gibt es für Querbeat die Orden immer gleich im Dutzend.

So durchgeplant der Tagesablauf der Band auch ist, kann es immer wieder zu kleinen zeitlichen Verzögerungen kommen, so wie beim nächsten Auftritt im Kristallsaal auf dem Messegelände in Deutz. Das bringt Tourmanager Kurt Berger allerdings nicht aus der Ruhe. Er will nachhören, ob die nächsten Veranstaltungen nicht auch im Verzug sind. Dann hätte sich das Problem von alleine gelöst. Im Zweifel muss am Programm gekürzt werden. Egal wie, um 23.45 Uhr muss die Band wieder im Bus sitzen.

Die Musiker warten im Bus oder im Backstageraum. Ich kann schon einen leichten Anflug von Müdigkeit verspüren – und die Band?

„Es ist tatsächlich so, dass die Pausen müder machen als das Spielen“, erklärt Sänger Jojo Berger. Carlos Kurschilgen, Mellophon-Spieler, sagt, es sei noch früh in der Session, da ginge das noch. Damit macht er mir ein schlechtes Gewissen. Ich habe schon vom Zuschauen Seitenstiche.

Glücklicherweise überzieht das Dreigestirn, das seinen Auftritt vor Querbeat hat, nicht mehr und die Band kann ihr volles Programm durchziehen, mit allem drum und dran. Von Deutz geht es dann auf die andere Rheinseite ins Maritim-Hotel. Die Musiker machen Liegestütze, um in Bewegung zu bleiben. Auch dort, wo eher die feine Abendgarderobe als das Clowns-Kostüm angesagt ist, machen die Gäste jede La Ola mit.

Querbeat

Für Autogramme und Fotos haben die Musiker immer Zeit.

Am Schluss steht noch ein Auftritt in den Sartory-Sälen an, die zu den Lieblingslocations der Band gehören. Backstage geht es inzwischen etwas ruhiger zu. Trompeter Daniel Breidenbach ist gesundheitlich leicht angeschlagen und ruht sich auf einem Sessel aus. Rückt aber der Auftritt näher, ist die Energie wieder da. Gleich ist es so weit. Schnell wird noch den Jungs von Brings „Hallo“ gesagt und ab geht´s. Es ist wirklich sichtbar, wie viel Spaß die Truppe hat. Und für die Blechblas-Fans: auch um 1:36 Uhr sitzen die hohen Töne noch.

Dann ist Feierabend. Knappe zehn Stunden lang ist so ein Tag für Querbeat. Und ein Tag mit fünf Auftritten ist nicht das Maximum. An Weiberfastnacht sind es sogar elf. Das scheint der Truppe jedoch nichts auszumachen. Wie singt Jojo Berger in „Dä Plan“: „Der Ovend is dud, lang lääve d‘r Ovend!“.

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