Ein letztes Mal schweben

Das erste der drei Schwebebahn-Teile schwebt ein letztes Mal auf seinen endgültigen Ruheplatz bei der Lang AG ein. Dort wird daraus ein Bistro.

Lindlar Eigentlich ist die Lang AG ja eher bekannt dafür, dass von dort modernste Technik an Orte überall auf der Welt ausgeliefert wird. Diesmal allerdings wurde veraltete Technik auf dem Firmengelände im Industriegebiet Lindlar-Klause angeliefert – und ausgerechnet das sorgte für einen ganz ansehnlichen Auflauf, nicht zuletzt auch von Medienvertretern. Denn die Lang AG bekam eine ausgemusterte Schwebebahn geliefert.

Vor gut eineinhalb Jahren hatten die Stadtwerke Wuppertal entschieden, eine neue Generation von Zügen für das Wuppertaler Wahrzeichen anzuschaffen – und die alten Züge der Baujahre 1972 bis 1974 nicht einfach zu verschrotten, sondern an Menschen abzugeben, die sie erhalten. Einige wenige Züge wurden an gemeinnützige Einrichtungen verlost, einer steht im Wuppertaler Zoo, ein paar werden wohl bei den Stadtwerken verbleiben. Und 21 Züge wurden zum Verkauf angeboten. Als Paul Detlef Lang, Firmengründer der Lang AG, davon erfuhr, reichte er sofort eine Bewerbung bei den Stadtwerken ein.

Mindestens 60 Firmen, Personen und Institutionen hatten sich am Ende um den Kauf der insgesamt 21 Bahnen beworben – und Paul Detlef Lang und die Lang AG hatten Glück. Seit gut einem Jahr steht fest: Sie dürfen einen der rund 24 Meter langen und etwa 22 Tonnen schweren Wagen kaufen, die bei der Anschaffung vor über 40 Jahren noch rund eine halbe Millionen Mark pro Stück gekostet haben.

Nun wurde der Zug von einem Wuppertaler Spezialunternehmen auf drei Sattelzügen in Lindlar angeliefert. Dort hatten Mitarbeiter der Lang AG bereits für vier Sockel, auf denen die Bahn ruhen soll, gesorgt. Mit einem Kran wurden der in drei Teile zerlegte Zug abgeladen – und durfte so noch ein letztes Mal schweben. Nachdem die Einzelteile wieder zusammengefügt sind, soll daraus ein  Bistro entstehen, für die Lang-Mitarbeiter aber auch für besondere Kunden-Meetings.

Begleitet wurde der Zug von eine handvoll Schwebebahnfans aus Wuppertal, die dokumentieren wollten, wo „ihre“ Bahn abbleibt. Darunter auch Peter Bosbach, der die Webseite www.schwebebahn-wtal.de betreibt. Er machte zahlreiche Bilder von letzten Ruheort der Bahn mit der Zugnummer 2, die vor zwei Wochen noch mit Werbung für die Wuppertaler Junior-Uni durchs Tal gefahren war. „Der Platz ist gut“, lautet sein fachmännisches Urteil. Er warnte jedoch auch: „Die Bahnen verwittern schnell, da muss man auf den Lack aufpassen.“

 

 

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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